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Schulfunk als Serie: Bonn

Die Schauspieler leiern wie im Schulfunk. Die Schauspielerinnen auch. Doch keiner von ihnen wirkt so, als ob es an ihm oder ihr läge. Die wirken alle so, als ob sie mehr drauf hätten, viel mehr.

Auch das Drehbuch ist genau so, wie so ein Drehbuch des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk eben ist: hundert Prozent vorhersagbar. Die Handlung arbeitet brav und bemüht die Informationen ab, die sie transportieren soll, die Charaktere sind holzschnittartig, da können selbst die besten Schauspieler nicht mehr viel draus machen. – Auch das erinnerte mich an Schulfunk.

Es ist ja richtig: So ein Fernsehspiel muß verständlich, eingängig und attraktiv sein. Aber all das geht auch ohne Trivialisierung – ja, es geht sogar besser ohne Trivialisierung, viel besser! – Aber es scheint, als ob die künstlerisch und redaktionell Verantwortlichen davon keine Ahnung haben.

Der Goldstandart für Fernsehspiele bleibt nunmal die Serie „The Wire“. Und bevor die Macher und Macherinnen von „Bonn“ sich jetzt von mir ungerecht beurteilt fühlen, könnten sie sich fragen, woran es liegt, daß der teuerste Rundfunk der Welt das Niveau von „The Wire“ nicht erreicht.

Ich bin kein Insider, ich habe keine Ahnung woran das liegt. Ich weiß nur: vor 50 Jahren wurden Parteifunktionäre auf Intendantenposten gehieft und ordneten an, Konsalik-Romane zu verfilmen. Es heißt, das habe die Entwicklung der deutschen Fernsehspielkunst kaputt gemacht. (Beleg unten.)

Ich fürchte, der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk hat sich von der Einflußnahme der Politik nie erholt – und ist möglicherweise weit entfernt davon, sie aufzuarbeiten…

Ironischerweise zeigt die Serie gerade dies: Wie wenig die Politik damals, als die Fundamente für die Zukunft des Rundfunks gelegt wurden, daran interessiert war, daß es ein wahrhaft freier wurde.

Beleg: Bertram, Jürgen (ehemaliger ARD-Korrespondent), Mattscheibe, das Ende der Fernsehkultur. Frankfurt a.M. 2006, S. 76

Weiterlesen:

Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage – trifft Mephistos Spott auch ARD und ZDF? – Offene Fragen an die Intendanten von ARD und ZDF

Kritik an ARD und ZDF – Antwort auf einen Brief von MDR-Intendantin Frau Prof.Dr. Carola Wille

Wikipediaeintrag zu Willibald Hilf

Kritik an ARD und ZDF

Zusammenfassung meiner Kritik am Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk

(Der Text ist eine Erwiderung auf einen Brief von MDR-Intendantin Frau Prof.Dr.Carola Wille – Der Brief und meine vorangegangenen „Offenen Fragen“ sind im Anhang)

 

Sehr geehrte Frau Prof.Dr.Wille,

vielen Dank für Ihre Antwort! Ihre berichtigenden Hinweise zeigen, wie sinnvoll ein Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern sein kann: Uns stellen sich Fragen, und wenn wir uns die selbst beantworten müssen, geraten wir in Spekulationen, die den Institutionen Unrecht tun.

(1) Zur Rundfunkfreiheit: Sie weisen darauf hin, daß im MDR-Urteil 1998 die Anzahl der Staats- und Parteienvertreter in der MDR-Aufsicht als verfassungsgemäß beurteilt wurde. – Doch warum hat die SPD damals eine Normenkontrollklage eingereicht? Offenbar befand sie, daß der Einfluß der CDU auf den MDR zu groß sei. Wenn die SPD damit Recht hatte, würde das bedeuten, daß der MDR sich zuwenig gegen Beeinflussung durch die Politik gewehrt hat.

Anders als später das ZDF-Urteil befaßt sich das MDR-Urteil offenbar nicht mit dem, was tatsächlich geschehen war, sondern nur mit begrifflichen und numerischen Argumentationen. In einer abweichenden Meinung spricht ein Richter daher auch von „Konstrukten“ mit denen die Staatsquote heruntergerechnet würde (S.37). Wie wenig überzeugend das Urteil war, zeigt sich auch daran, daß es nur mit denkbar schwächster Mehrheit angenommen wurde.

Auffällig ist im Übrigen, daß immer nach einer Obergrenze für Vertreter aus Staat und Politik in den Gremien gefragt wird. Warum müssen denn immer soviel darin sitzen, wie gerade auf Biegen und Brechen verfassungsrechtlich vertretbar ist? – Ich möchte an das Minderheitenvotum im ZDF-Urteil erinnern, in dem selbst noch die stark abgespeckte Obergrenze, an der sich der MDR jetzt orientiert, für unklug und bedenklich gehalten wird.

Hintergrund meiner Skepsis sind Aussagen wie z.B. die des ehemaligen Chefredakteurs v. Sternburg: „Personalplanung nach rein fachlichen Kriterien war kaum möglich“ (Nachweis unten). Ich frage mich: Warum gibt es immer nur vereinzelte Aufschreie einiger Spitzenfunktionäre? Der Rundfunk ist eine Quelle der Öffentlichkeit. Wenn er wirklich so frei war, wie er immer behauptet, wieso hat er nie „ein Faß aufgemacht“ und den Einfluß der Politik öffentlich angeprangert? Vielleicht weil einige Intendanten – wie z.B. Willibald Hilf – direkt von ihrem Parteiposten auf den Intendantenstuhl gehift worden sind? Möglicherweise gab es damals eine derartige Verbandelung mit der Politik, daß die damaligen Akteure über die Naivität meiner Fragen grinsen würden. Möglicherweise gibt es das heute so nicht mehr. Aber woher sollen wir Bürger das wissen? Und woher sollen wir wissen, wie stark die Fehlentwicklung des Rundfunks ist, wenn er sich eben nicht – wie von der Verfassung geboten – nach rein publizistischen Kriterien entwickeln konnte, weil die Politiker reingepfuscht haben?

(2) Zum Verschlafen der Medienentwicklung: Sie haben sicher recht, ich kann mir mit ein paar angelesenen Expertenmeinungen kein Urteil erlauben. Doch sehen Sie es mal so: Wenn der Rundfunk immer darstellt, wie toll er ist, aber was wir sehen ist eine absurde Überfülle immer neuer schlichter Krimiserien, die sich nur dadurch unterscheiden, daß sie an immer anderen beliebten Urlaubsorten spielen: Wie soll da Zutrauen in Innovationsfähigkeit entstehen?

Was hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der reichste Rundfunk der Welt, in den letzten 40 Jahren an bedeutenden Innovationen hervorgebracht, die bahnbrechend waren, Modellcharakter hatten und Maßstäbe setzten? Wohin ich auch sehe: er hat nachgemacht und ist auf volle Züge aufgesprungen. Und was gut lief, wurde bis zur Lächerlichkeit vervielfältigt. – (Meine Polemik wird dem Sachverhalt sicher nicht ganz gerecht. Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren.)

(3) Zum Auftrag: Sie schreiben, daß man unterschiedlicher Meinung darüber sein kann, wie der Rundfunk seinen Auftrag erfüllt. – Sicher, objektive Kriterien gibt es hier nicht, aber Sinnkriterien: Was ist daran sinnvoll, Geld für immer mehr Krimis auszugeben, für eine Vervielfältigung des Mittelmäßigen, statt mal eine Serie wie „The Wire“ zu produzieren, die auf Platz 1 der Liste der weltbesten Serien landet, weil sie lebensecht ist, null redundant, hoch informativ und gleichzeitig hoch spannend? Oder warum nicht noch mal so ein Klassiker wie „Das Boot“?

Der Rundfunk hätte zu belegen, daß es für seine Medienpräsenz wirklich notwendig ist, soviel „Mehr Desselben“ auf Kosten der Qualität zu produzieren; er hätte zu belegen, daß er in einem der Objektivität verpflichteten, reflektierten experimentellen Vorgehen andere Strategien entwickelt hat, die sich aber nicht als hinreichend erwiesen, so daß die jetzige Vervielfältigung und Trivialität sich als das „kleine Übel“ herauskristallisierte. Falls es stattdessen überwiegend einen gedankenlosen Weg der Wiederholung oberflächlicher Erfolge gegeben haben sollte, müssen wir von einer Fehlentwicklung ausgehen! Und dann würde die Fehleranalyse, „die ehrliche Reflexion und Aufarbeitung“ von der Sie schreiben, verlangen, daß Denkstile, Entscheidungsstrukturen und Korrektive daraufhin untersucht werden, wie es dazu kommen konnte.

Die Politiker rufen nicht in den Redaktionen an, die KEF verhindert einen Selbstbedienungsladen und es gibt eine Fehleranalyse. Gut. Aber damit sind die Fragen der Bürgerinnen und Bürger nicht vom Tisch: Wie unabhängig ist der Rundfunk wirklich, wie steht es um sein Preis-Leistungsverhältnis und wie bereit ist er, seine Fehlentwicklungen zu korrigieren?

Die Intendantinnen und Intendanten von heute haben kein leichtes Erbe übernommen. Die Meckerei gilt nicht Ihnen sondern den Weichenstellungen der Vergangenheit, die den Kurs immer noch mitbestimmen. Daher würde ich mir wünschen, daß freche Fragen von Bürgerinnen und Bürgern kooperativ verstanden werden: Wir wollen Sie bei der Erneuerung unterstützen…

Ich bin ein Bürger, ich möchte starke öffentlich-rechtliche Medien – Medien, die es besser zu nutzen verstehen, dem Markt enthoben zu sein – die forschen, experimentieren und Ideen entwickeln – die gefallen ohne gefällig zu sein – die Vorreiter sind, nicht Nachahmer – die politisch tiefer stechen – und die das Wichtige, das vom Mainstream nicht erfaßt wird, in die Diskussion einbringen, statt bloß von dem zu reden, wovon alle reden.

Mit freundlichen Grüßen

Winfried Lintzen

Nachweis: Bertram, Jürgen (ehemaliger ARD-Korrespondent), Mattscheibe, das Ende der Fernsehkultur.
Frankfurt a.M. 2006, S. 76

(Dieser Text ist gegenüber dem versendeten Original leicht verbessert.)

Die Intendantin hat auf meine Erwiderung vom Nov. 2021 noch nicht geantwortet (Stand 1.1.2022)

Weiterlesen:

„Nicht zuständig für die eigene Freiheit?“

„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“ – trifft Mephistos Spott auch ARD und ZDF?

Aufruf zur Gründung eines Bürgermedienrates

Anhang

Offener Brief an die Intendantin des MDR
(Von Frau Prof.Dr.Wille beantwortet am 21.20.21. Zur Zusammenfassung ihrer Antwort und meiner Erwiderung s. Nachtrag)

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Wille,

Sie sagten im Interview mit Herrn Huber vom Tagesspiegel (am 2.10.21), daß die Rundfunkfreiheit „immer wieder aufs neue“ verteidigt werden müsse. – Die MDR-Aufsichtsgremien waren bis 2016 verfassungswidrig mit Politikern besetzt – was haben Sie als juristische Direktorin des MDR dagegen unternommen? Haben Sie jemals Fragen dazu gestellt und zur Diskussion gedrängt? Die verfassungsrechtliche Fragwürdigkeit der Gremienbesetzung war ja lange vor dem Urteil des Verfassungsgerichts bekannt!

Es war schließlich die Politik selbst, die gegen zuviele Politiker in den Gremien das Verfassungsgericht anrief, nachdem ein Ministerpräsident die Entlassung eines Chefredakteurs betrieben und sein Intendant sich dagegen nicht gerichtlich gewehrt hatte.

Es ist typisch, daß Sie von den Rundfunkurteilen des Verfassungsgerichts im Zusammenhang mit der Beitragserhöhung reden: Der Rundfunk geht vor Gericht, wenn es um sein Geld geht, aber nicht, wenn es um seine Freiheit geht. – Offenbar nimmt der Rundfunk all seine Vorrechte mit Berufung auf seine Freiheit in Anspruch, fühlt sich für diese Freiheit selber aber nicht zuständig.

Wir stimmen in Einem überein: Lange war der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk nicht mehr so wichtig wie heute! Doch wie werden Sie Ihrem Auftrag gerecht?

Ironischerweise steht das Interview, in dem Sie die Verantwortung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks für die öffentliche Meinungsbildung beschwören, im Tagesspiegel neben der Kritik der Rundfunkgremien an dem „Triell“ von ARD und ZDF, von dem befunden wurde, daß es qualitativ hinter dem Triell der privaten Sender „peinlich“ zurückblieb.

Es ist legitim, wenn Sie die Bemühungen des Rundfunks, neue Formate und neue Medien zu nutzen, jetzt herausstellen. Aber statt der Entwicklung hinterher zu laufen, hätten wir längst faszinierende Konzepte eines grundlegend neuartigen öffentlich-rechtlichen Medienverbundes haben können!

Ob das Verschlafen der Medienentwicklung oder die lächerliche Krimi-Flut: Bezüglich solcher Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit wirkt der Rundfunk nicht selbstkritisch. Wie sollen wir Bürger da den Eindruck bekommen, daß die Funktionäre ihren Auftrag ernst genug nehmen, daß sie mutig genug sind und in der Lage, Unzulänglichkeiten zu erkennen, zu analysieren und zu verändern?

Wir Bürger sollten unseren Institutionen Unzulänglichkeiten zugestehen. Aber wenn die Funktionäre immer so tun, als wäre alles in bester Ordnung, führt das in breiten Bevölkerungskreisen zu jener unreifen Institutionenverdrossenheit, die den Populismus schürt.

Der Rundfunk würde glaubwürdiger, wenn wir Bürger sehen könnten, daß er grundlegend an sich arbeitet. Und nichts sichert in einer Demokratie die Freiheit des Rundfunks besser, als seine Glaubwürdigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Winfried Lintzen

 

Nachtrag am 31.10.21: Die Antwort der Intendantin

Zunächst: Daß die Intendantin geantwortet hat, werte ich als ein Zeichen, daß der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mehr Interesse an Austausch mit Bürger:Innen und Zivilgesellschaft hat, als viele Bürger glauben. – Die Antwort der Intendantin kann grob so zusammengefaßt werden: Die Dinge sind schwieriger, als es uns Bürgern oft scheint.  – Die Einwände im Einzelnen:

(1) Frau Prof.Dr. Wille machte mich darauf aufmerksam, daß 1998 ein Urteil erging, das die Anzahl der dem Staat und der Politik zuzurechnenden Mitglieder der Aufsichtsgremien für verfassungsrechtlich unbedenklich hielt, so daß der MDR hier keinen Handlungsbedarf sehen mußte: Link zum Urteil. – Daß das Bundesverfassungsgericht das später anders sehen würde, war damals noch nicht sicher.

(2) Die Intendantin macht darauf aufmerksam, daß der Kampf ums Geld ein Kampf für die Freiheit des Rundfunks ist, weil er seine Freiheit nur wahrnehmen kann, wenn er funktionsgerecht ausgestattet ist.

(3) Sie findet angesichts der seit 2014 begonnenen Entwicklungen crossmedialer Angebote nicht, daß der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk die Medienentwicklung verschlafen hat.

(4) Sie gibt Beispiele für den Dialog des MDR mit den Bürgern sowie Belege für das Problembewußtsein und die Entwicklungsbereitschaft des MDR zum Thema: Bürgerdialog. Links dazu:

https://www.mdr.de/nachrichten/mitmachen/index.html
https://www.mdr.de/unternehmen/index.html
https://www.mdr.de/unternehmen/informationen/dokumente/index.html

Ich muß zugeben: Trotz all meiner Recherchen sind die Dinge für Laien wie mich kaum verläßlich zu beurteilen. Amateurhaftes Recherchieren, das nicht zu Lasten der Familie, des Berufs und anderer wichtiger nebenberuflicher Projekte gehen soll, reicht für qualifizierte Urteile und gut informierte Fragen einfach nicht aus. – Genau genommen haben wir Bürger unseren Institutionen gegenüber oft nur Vorurteile zu bieten – egal ob mißtrauende oder vertrauende.

 

Alexander Skrjabin: faustische Musik?

Komponistenportrait: Alexander Skrjabin (1872-1915)

Skrjabin knüpft an Chopin an und entwickelt dessen Tonsprache rhythmisch und harmonisch weiter.

Seine Werke bis einschließlich 4. Klaviersonate und 4. Sinfonie sind noch „romantisch“, wirken aber mit zunehmender Opuszahl „überreifer“: harmonisch und rhythmisch überbordender, exaltierter oder – in den langsamen Sätzen und „Poemes“ – entrückender.

In den „Miniaturen“, den Preludes, Etudes und Poemes, wird Skrjabins Tonsprache graduell immer moderner, extremer. Manche Stücke sind von aphoristischer Kürze.

Mit der 5. Klaviersonate ist ein neues Niveau erreicht: Ab jetzt sind alle Sonaten und Sinfonien (er nennt sie nicht mehr so) einsätzig und deutlich kürzer. Die Tonsprache hat sich deutlich radikalisiert, ins „impressionistische“ verschoben, ist aber noch als „Abkömmling“ romantischer Harmonik erkennbar.

Mit der 6. Klaviersonate hat sich der Bruch vollzogen: Skrjabin hat „seine“ Sprache gefunden: Er hat ein eigenes Tonsystem entwickelt, die sogenannte „Ganz-Ton-Halb-Ton-Skala“, eine achttönige Tonleiter, bei der Ganz- und Halbtonstufen abwechseln: C-Des-Es-E-Fis-G-A-B. Diese Leiter ist zweimal transponierbar.

Er hat damit eine ganz eigene, unverwechselbare Tonsprache geschaffen, in die man sich erst einhören muß, weil sie deutlich dissonanter, „moderner“ ist als der „romantische“ Skrjabin.

Aber die Mühe lohnt: Skrjabins Musik berührt und weckt etwas in uns, von dem keine andere Musik etwas weiß – keine! – Seine Tonsprache ist fremdartiger als die Debussys oder Ravels, sie läßt alles, was wir kennen, hinter sich, sie eröffnet uns eine ungeahnte Weite…

Ich finde es wenig sinnvoll, sich mit den Persönlichkeiten von Künstlern zu befassen. Das ist nur eine bildungsbürgerlicher Ersatzhandlung, die nichts zur Erschließung der Kunstwerke beiträgt, sondern mit den ausgelösten Phantasien und Assoziationen bloß ablenkt vom künstlerischen Gehalt und auf falsche Fährten führt.)

Weiterlesen: Gegen die Diskriminierung klassischer Kunstwerke
Neuartige Musikdokumentation
Mogelpackung auf ZDF-Kultur

 

Externer Link: Wikipedia-Artikel über A.Skrjabin

Gegen die Diskriminierung klassischer Kunstwerke

Stellen Sie sich vor, es ständ‘ zwischen Hannover und Braunschweig ein Himalaya, aber niemand ging hin! Zu hoch, zu kalt, zu schroff, jeder dächte nur an Mühe und Öde.

So geht es vielen großen Monumenten der Menschheit: ob Beethovens späten Streichquartetten oder Skrjabins späten Klaviersonaten, ob Kafkas Schloß oder den großen russischen Romanen: Den Menschen ist die Kunst zu anstrengend, sie sind vom kommerziellen Entertainment verweichlicht und lassen ihre Intelligenz im Büro, wenn sie nach Hause gehen.

Ich fürchte, in der Entertainment-Flut geht das Wissen verloren, was wir an den ganz großen Kunstwerken der Menschheit haben, wie unterhaltsam und faszierend sie sind, und wie sehr sie das eigene Leben bereichern können. Ja, ich habe den Eindruck, es entstehen Vorurteile gegen klassische Kunst: sie sei antiquiert, trocken, schwerfällig, mühsam und völlig uncool.

Was daran richtig ist: die großen Kunstwerke machen es uns nicht immer leicht. Für meine Oma war Beethoven Lärm. Das hätte sich schnell geändert, hätte sie Zeit und Muße gehabt, ihn öfter zu hören. Unser Gehirn muß sich erst „einlesen“. Mit klassischer Musik bin ich aufgewachsen, aber mit klassischer indischer Musik ging es mir zuerst genauso wie meiner Oma mit Beethoven. Doch irgendwann staunte ich bloß noch…

Und bei „Faust“, wenn man ihn liest, ist das alles noch schlimmer. Unmittelbar kann das echt dröge sein. Aber regelmäßig ist zu beobachten, daß Leute, die von der Lektüre abgeschreckt sind, sich an einer Aufführung begeistern. – „Faust“ ist Theater, ziemliches Theater…

Was ist an den großen, bedeutenden klassischen Kunstwerken besonders? Sie wurden von Menschen geschaffen, die nicht nur hochbegabt waren, sondern in ihrem Fach auch über eine außergewöhnliche geistige Freiheit und Autonomie verfügten. Und sie waren von Kind an „trainiert“ in einer jahrhundertelang entwickelten Handwerkskunst, ob Dichtung, Malerei oder Musik. Viele „Optima“ kommen da zusammen.

Natürlich: Hard Rock und Rap sind auch Klasse und auch da kann es Genies geben, aber Hard Rock und Rap nutzen von den künstlerischen und handwerklichen Möglichkeiten, die die Menschheit in der Musik entwickelt hat, nur einen winzigen Teil. Und das, was sie in ein oder zwei Generationen selber an neuen Möglichkeiten entwickeln und einbringen können, ist gegen das, was sie nicht nutzen, ebenso winzig… (Im Übrigen: Viele wissen noch gar nicht, daß die klassische Musik sich weiterentwickelt hat und ihre Erben u.a. Schönberg, Ligeti, Xenakis heißen… )

Ich träume von einer Inszenierung des zweiten Teils von Goethes Faust, in der nicht verraten wird, daß es der „Faust“ ist: alle würden es für ein total abgefahrenes, verrücktes, modernes Stück halten…

(zu diesem Thema paßt eine Science-Fiction-Kurzgeschichte auf unserer Seite: Kulturaustausch,  von Daniel Seefeld)

Über genderneutrale Sprache

Lesedauer: 6 Minuten

Inhalt:
1 Gendern und Sprachgefühl
2 Macht Gendern Druck?
3  Ist Gendern progessiv?
Nachsatz
Zusammenfassung
Kommentar eines Unternehmers

1 Gendern und Sprachgefühl

Ich unterstütze das Anliegen der Genderbewegung. Aber ich schreibe herkömmliches Sprechdeutsch. Ich würde wetten, daß fast alle, deren Muttersprache das Deutsche ist, in den meisten Fällen das generische Maskulinum noch genderneutral lesen und hören, ohne daß es ihnen zu Bewußtsein kommt – es sei denn, sie hätten bereits trainiert, darauf zu achten.

Mir jedenfalls fällt es schwer, mir vorzustellen, daß jemand beim Wort „Touristen“, unmittelbar eine Männergruppe vor Augen hat. – Oder: Stellen Sie sich vor, Sie wollen rechts abbiegen und Ihr Beifahrer ruft: „Vorsicht Radfahrer!“ Würden Sie an einen Mann denken? Nein, an einen Menschen auf Fahrrad. – Die männliche Form ist im Deutschen in bestimmten Kontexten Platzhalter für beide Geschlechter. Hören Muttersprachler in diesen Kontexten die männliche Form, wissen Sie „instinktiv“, daß jetzt beides möglich ist: eine Frau oder ein Mann.

In jeder Sprache legen nicht allein die Worte, sondern auch die Kontexte Bedeutungen fest – unmittelbar, durch das Sprachgefühl. – Freilich ist es möglich, sich zu trainieren, bei der maskulinen Form immer nur an einen Mann zu denken. Aber wozu soll das gut sein? (Früher wäre das „Wortklauberei“ genannt worden.)

Zu Beginn des Jahrtausends stellte sich mir eine ostdeutsche Frau als „Schienenbauingenieur“ vor, und kurz darauf eine andere als „Baustoffingenieur“ – so stark war die Genderneutralität des generischen Maskulinums im ostdeutschen Sprachgefühl verankert. Logisch: da gab es ja auch – im Gegensatz zu Westdeutschland – jede Menge weiblicher Ingenieure.

Freilich gibt es Uneindeutigkeiten im herkömmlichen Deutsch. Auf die Frage: „Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller“ nennt fast niemand eine Schriftstellerin. Das generische Maskulinum stößt in bestimmten Kontexten an Grenzen. Da braucht es dann mal ein Wort mehr.

Gibt es wirklich belastbare empirische Belege dafür, daß das den Abbau von Diskriminierung verlangsamt? (Als Beleg reicht nicht irgendein Studien-Ergebnis sondern Design und Aussagewert der Studie müssen diskutiert werden. – Irgendwelche Studien sind schnell gemacht. Die Frage ist immer: Was genau wurde da untersucht und was nicht, und worauf bezieht sich das Ergebnis und worauf nicht? Ohne Beantwortung dieser Frage gibt es leicht irreführende Verallgemeinerungen.)

Völker deren Sprachen kein generisches Maskulinum kennen sind meist weit patriarchalischer als wir (Beispiel: Ungarn, dort wurden die Genderstudies abgeschafft). Es ist zweifelhaft, ob eine verordnete Sprachreform zu größerer Gendergerechtigkeit führt und zu größerer Desillusionierung über männlichen Dünkel.

Dennoch ist die Nutzung genderneutraler Schreib- und Redeweisen grundsätzlich begrüßenswert, weil sie förderliche Irritationen auslöst. (Wir haben schon in den 80ziger-Jahren unsere Professoren und Professorinnen mit der Schreibweise „man/frau“ geärgert.) – Abgesehen davon ist es immer interessant, wenn neue Sprachmöglichkeiten ausprobiert werden.

Außerdem hat jede Generation das Recht, sich in der Sprache, in die sie hineinwächst, einzurichten, die Sprache weiter zu entwickeln und zu gestalten. (Allerdings ist mir unvorstellbar, daß ein Wort wie „Bürger:innenmeister:innen“ je Eingang ins Sprachgefühl bekommen könnte. Aber gut: daß ich mir das nicht vorstellen kann, heißt nichts.)

Das Recht sollte aber nicht zur Pflicht werden. Denn die neue Rede- und Schreibweise ist eine auferlegte Selbstdesensibilisierung für das Sprachgefühl, ein Wegtrainieren der Kontextsensibilität. Wir dürfen für uns selbst entscheiden, uns eine Sensibilität wegzutrainieren, aber wir dürfen es von niemandem verlangen. Ein Sprachgefühl umerziehen zu wollen, hat etwas Gewaltsames.

Das Argument, das Gendern mache die Sprache kaputt, halte ich für Blödsinn. Hat es etwa die Sprache kaputt gemacht, daß wir heute sagen: „das Gift“, wo Goethe noch gesagt hätte: „der Gift“? – Nein: Es ist alles gut. Da kann nichts kaputt gehen, da kann sich bloß was ändern. Wenn das Gendern kompatibel ist mit dem Sprachgefühl, wird es sich zwanglos durchsetzen und irgendwann allen ebenso über die Lippen gehen, wie jetzt das „Alt-Deutsch“.

 

2 Macht Gendern Druck?

Eine junge Frau warf mir vor: „Ich fühle mich als Frau diskriminiert, auch durch die Sprache, und das, was du für mich tun kannst, wäre: zu gendern. Wenn du nicht genderst, dann engagierst du dich nicht gegen meine Diskriminierung. – Du bist ein Mann, du weißt nicht, wie sich das anfühlt, diskriminiert zu werden! Wenn du es nicht für angemessen und gerechtfertigt hälst, zu gendern, dann bagatellisierst Du meine Diskriminierung!“

Allerdings hat sie dann doch akzeptiert, daß ich nicht gendere. Bisher habe ich persönlich noch keine Gendernden getroffen, die ein Drama aus meiner Gender-Unwilligkeit gemacht hätten.

Woher kommt dann die Befürchtung vieler Leute, daß die Gendernden Druck machen?

Es schwingen bei der Genderbewegung Vorurteile und Unterstellungen mit. Wenn es z.B.  heißt: Frauen und Diverse seien bloß mitgemeint, dann ist das eine Unterstellung! Woher will jemand wissen, was andere mit einem Wort verbinden?

Ebenso: Wenn Leute das Gefühl haben, wenn gegendert wird, kriegen sie einen geschützen Raum: Das ist ein Vorurteil gegen alle die nicht gendern, nämlich, daß sie nicht respektvoll, wohlwollend und wertschätzend seien! (Leute, die sich sicher fühlen, wenn gegendert wird, denken offenbar nicht daran, daß sie sich betrügbar machen! Wie leicht ist es, sie in Sicherheit zu wiegen! – Das war doch eine klassische Lehre aus dem Auftreten der Alt-68ziger: Die Cheffinnen und Chefs, die gleich das „Du“ anboten, erwiesen sich meist als die größten Arschlöcher! (Vorsicht: Das gilt heute, wo das „Du“ geläufiger ist, nicht mehr!)

Aber die impliziten Vorurteile im Gendern sollten nicht überbewertet werden. Denn wenn tatsächlich Leute sagen sollten: „Wer nicht gendert, diskriminiert“, dann heißt das soviel wie: „Wenn du nicht tust, was ich sage, bist du ein Arsch!“ Damit diskreditieren sie nur sich selbst.

Judith Butlers Begriff der „Betrauerbarkeit“ hinterfragt Einstellungen, die dazu führen, daß das Leid von Angehörigen der eigenen Zivilisation oder Hautfarbe als schlimmer erlebt wird, als das anderer. – Nur wer aus selbstverschuldeter Vorstellungsschwäche (Beschränktheit) oder Mangel an Mitgefühl sich falsche Vorstellungen vom Leid anderer macht, hält sich für was Besseres, und glaubt, deshalb auf Kosten anderer Vorteile haben zu dürfen. Unrecht entsteht aus einem Mangel an Einsicht. Unmoralische pflegen Illusionen. Wer desillusioniert ist, handelt moralisch.

Druck hat noch nie zur Desillusionierung geführt. Deshalb fördert moralischer Druck nicht moralisches Handeln. Mehr Gelassenheit würde mehr bewirken.

Dem Kampf gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Rassismus würde ein Bärendienst erwiesen, wenn Beziehungen scheitern und Möglichkeiten der Zusammenarbeit nicht genutzt würden, weil Leute gemieden würden, die bestimmte Sprachregelungen nicht benutzen wollen..

(Nachbemerkung am 21.01.2023: Ich befürchte (das ist nur eine Befürchtung von mir, das trifft vielleicht nicht zu) – ich befürchte, daß die öffentliche Diskussion verzerrt sein oder werden könnte: Wer von der Genderbewegung würde denn in einer öffentlichen Diskussion zugeben, daß an einem Einwand gegen das Gendern etwas dran sein könnte? Würde er oder sie das zugeben, müßte sie damit rechnen, in den sozialen Medien mit Liebesentzug abgestraft zu werden, möglicherweise sogar mit einem Shit-Sturm.

Wenn es soweit käme, wäre die Genderbewegung zu einer Echokammer geworden – d.h. ihre Leute wären „auf Linie gebracht“ wie in einer politischen Partei, Argumente würden durch vorhersagbare Phrasen ersetzt und Realtitätsprüfung sowie Weiterentwicklung durch Austausch wären beeinträchtigt.)

 

3 Ist Gendern progressiv?

Warum fühlen sich soviele Frauen nicht durch den herkömmlichen Sprachgebrauch diskriminiert? – Vielleicht ist die Uneindeutigkeit des herkömmlichen Deutschs so gering, daß weder Mann noch Frau noch Diverse sich daran stören würden, wäre nicht die Idee entstanden, daß sie sich daran stören sollten?

Und vielleicht ist es nicht gefühltes sprachbezogenes Unbehagen, das soviele Leute zum Mitmachen motiviert, sondern eine sozialpsychologische Dynamik?

Und vielleicht könnte das Gendern genausogut unterbleiben, ohne daß dadurch der Prozeß der Gleichberechtigung, der Entdiskriminierung und der Desillusionierung männlichen Dünkels im geringsten Nachteile hätte?

(Ich schreibe: „vielleicht“ – d.h. ich weiß nicht ob es so ist, ich muß auch damit rechnen, daß es anders ist.)

Gendern an sich ist nicht progressiv. Progressiv ist das, wofür es steht: Desillusionierung über Geschlecht und Geschlechterrollen, Befreiung von vorgestanzten Vorstellungen und Sozialisationswegen und Abschaffung von Diskriminierung.

Dadurch, daß Gendern als progressiv gilt, werden viele gendern, weil sie befürchten, sonst als unprogressiv zu gelten. Und das bedeutet: Gendern macht unsichtbar, wie progressiv Leute tatsächlich sind.

 

 

Nachsatz

Meine Fragen zum Gendern sind:

Wieviele Frauen fühlen sich durch den herkömmlichen Sprachgebrauch diskriminiert? Was genau erleben sie daran als diskriminierend?

Fördert Gendern die Gleichberechtigung? Oder sind wir – angesichts dessen, was im letzten halben Jahrhundert bereits erreicht wurde gegen alle Formen von Diskriminierung – sind wir in einem „Prozeß der Zivilisation“ der so stark ist, daß das Gendern genauso wenig bringt, wie eine Kerze unter eine Lampe zu stellen? Würden die Energien, die jetzt auf das Gendern gelenkt werden, nicht vielleicht sogar an anderer Stelle den Prozeß der Gleichberechtigung viel besser und schneller befördern?

Wird die Bereitschaft des überwiegenden Teils der Deutschen, gegen Diskriminierung vorzugehen, wo immer sie sich zeigt, unterschätzt?

Welche Rolle spielt Demokratie im Zusammenhang mit dem Gendern: Sollen alle Frauen darüber abstimmen, ob offiziell gegendert werden soll oder nicht? (Ich sehe hier ein generelles Problem: Es sind immer Aktivist:innen, die vorschreiben, welche Worte und Sprachregelungen nicht diskriminierend seien. Sie sprechen für alle Diskriminierten. Aber woher wollen sie wissen, daß die Mehrheit derer, für die sie sprechen, das auch so sieht und erlebt?)

Welche Rolle hat das Argument: „Du gehörst zu den Privilegierten, du weißt nicht, wie es sich anfühlt, diskriminiert zu werden!“ – Das Argument ist richtig und wichtig. Es geht darum, daß die Nicht-Betroffenen nicht vorschnell einschätzen, bewerten und urteilen. – Das Problem ist grundlegend: Wie können Betroffene und Nichtbetroffene über die Akzeptabilität von Forderungen der Betroffenen reden? Welche neutrale Instanz zur Beurteilung könnte es hier geben? Es wird ja wohl niemensch im Ernst einen Blankocheck fordern nach dem Motto: „Du gehörst nicht zur Gruppe der Diskriminierten, du weißt nicht, wie ich leide, deshalb kannst du nicht mitreden, deshalb mußt du alle meine leidensbezogenen Feststellungen und Forderungen akzeptieren oder du bist ein Arsch!“

Meine Fragen mögen naiv sein, aber das ist nunmal mein Stand der Auseinandersetzung mit dem Thema.

 

Zusammenfassung:

Wenn sich eine Sprache ändert, ist das nichts Schlimmes sondern der Lauf der Welt und völlig in Ordnung. Und dabei ist es egal, wie es zu dieser Änderung kam, wer sie initiiert hat und aus welchen Gründen. Denn für eine Änderung des Sprachgefühls ist die ganze Sprachgemeinschaft erfordert, eine Veränderung des Sprachgefühls ist ein naturwüchsiger demokratischer Konsens.

Doch eines sollte darüber nicht vergessen werden: Es ging kein Aufschrei der Erleichterung durch Deutschland, als die Aktivisten und Aktivistinnen das Gendern forderten, es wurde nicht jubelnd von den deutschen Frauen begrüßt als längst überfällige Abschaffung eines jahrtausendealten sprachlichen Unrechts.

Sondern: Es wurde von den Aktivist*Innen postuliert, daß sich die Frauen am generischen Maskulinum ihrer Muttersprache stören sollten. – Daß viele Frauen das Gendern ablehnen, spielt für die Befürworter des Genderns keine Rolle. – Das Gendern ist ein Beispiel für eine bekannte sozialpsychologische Tatsache: Wie kleine Minderheiten es schaffen, etwas einer Mehrheit aufzudrücken. Insofern hat das Gendern einen undemokratischen Aspekt, der erst verschwindet, wenn das Gendern es schafft, das Sprachgefühl zu überzeugen.

Bis dahin oder bis zu einem erfolgreichen Volksentscheid für das Gendern ist es daher nicht in Ordnung, zu fordern, daß gegendert werden sollte. Denn es ist nicht klar: Will die Mehrheit der Frauen das überhaupt? Fördert es den Prozeß des Abbaus von Diskriminierung überhaupt? Oder ist es nur der Wunsch einer kleinen Minderheit?

Es ist begrüßenswert wenn Leute gendern, aber ablehenswert, wenn Druck gemacht wird.

 

Goethes Faust ist ein Lehrstück über das Scheitern Testosteron-gesteuerter Lebensformen: das kann hier nachgelesen werden.

Unser Autor Lars Lehmann hat eine Geschichte zum Gender-Thema geschrieben: „Die Pläät“ – eine Gendergeschichte

 

Kommentar von Markus Witte (Unternehmer)

[…] Ich glaube tatsächlich, dass im Kopf derer, die „einen neuen Geschäftsführer“ suchen oder „einen Experten für künstliche Intelligenz“ eine Vorstellung von männlichen Kandidaten existiert und dass sie Frauen nicht von vornherein mitmeinen.

[…]  Ich gehe davon aus, dass durch dieses implizite Priming die Chancen für Frauen, diese Jobs zu kriegen, kleiner sind. Wir haben von vornherein ein Bild vom „richtigen Kandidaten“ im Kopf und messen die echten Kandidat*innen daran. Ähnliches gilt, wie du schon auch schreibst, bei Autoren, Philosophen, Physikern – und auch bei Schienenbauingenieuren.

[…] Dass die Diskriminierung strukturell ist, sehe ich in meiner Welt sehr deutlich: Es liegt nicht an individuellen Präferenzen, dass Frauen schlechter bezahlt werden und weniger Macht bekommen, sondern an den Prozessen, Prinzipien und Maßstäben, die allenthalben etabliert sind.

[…] Wie können Betroffene und nicht Betroffene miteinander reden? Das finde ich eine enorm wichtige Frage. Ob sie dabei über Forderungen oder Wahrheiten oder Erfahrung sprechen: es muss ein Dialog möglich sein. Und wir müssen gemeinsam aushandeln können: Wahrheiten, Verteilung, Anerkennung – und so vieles mehr. Vermutlich ist die Faustregel richtig, dass diejenigen, die schon immer privilegiert sind und gehört werden, sich vor allem aufs Zuhören konzentrieren. …

(Der Kommentar wurde mit Einverständnis des Autors gekürzt)

Weiterlesen:

Wie relevant ist der Rassismus in der Sprache?

https://www.deutscheakademie.de/de/aktivitaeten/projekte/sprachkritik/2019-07-26/drei-fragen-zu-gendergerechter-sprache

Mogelpackung auf ZDF-Kultur

(Offener Brief an die Leiterin der Hauptredaktion Kultur des ZDF)

Sehr geehrte Frau Reidt,

in einer Dokumentation über Mozart, die Sie eingekauft haben, erfahre ich etwas über Mozartkugeln, über die Touristenmagnete in Salzburg und darüber, daß Salzburg im Winter besonders eindrucksvoll ist und die berühmten Weihnachtsmärkte Einheimmische wie Besucher anziehen. – Alles unterlegt mit einem der ausdrucksvollsten und wichtigsten Werk Mozarts.

Gut, es gibt auch einen Überblick über Mozarts Biographie. Aber immer wieder erhalte ich Informationen, die eher aus einem Prospekt für Touristen stammen könnten: daß ein Haus, in dem Mozart gelebt hat, im Krieg schwer beschädigt aber später liebevoll restauriert wurde. – Wieviele Dachziegel der Stephansdom hat. – Daß ein Theater zu den besterhaltensten seiner Art gehört und auch einige Opernszenen für den Film Amadeus hier aufgenommen worden seien, und daß irgendetwas bei den Besuchern aus aller Welt beliebt sei.

Ein Strauß-Walzer samt Tänzern wird in den Film eingeblendet, sowie die sinfonische Dichtung „Die Moldau“ von Smetana, letztere mit der Vermutung: „sicher hat auch Mozart die Kraft dieses Flusses gespürt“.

Die Bilder sind fast ständig mit Mozarts Musik unterlegt, darunter einige seiner prägnantesten Themen, teilweise fetzenhaft zusammengestoppelt. Wer zusieht wird regelrecht „genudelt“.

Es wird immer nur behauptet, Mozarts Musik habe die Hörer von den Stühlen gerissen. Es gibt in der ganzen Sendung aber nicht den geringsten Hinweis darauf, was daran die Hörer von den Stühlen reißen kann, geschweige denn, wie sich sein Werk am besten erschließen läßt.

Die Aussagen, die es über seine Musik gibt, sind dümmlich (daß Mozart die Vielfalt des Orchesters nutze), und teilweise schlicht falsch (daß der Klang des Orchestes in seinen Werken seiner Zeit um Jahrzehnte voraus sei.)

Um das ganz klar zu sagen: Eine solche Sendung zählt nicht zum Bildungsauftrag. Das ist schlichtweg Schrott, der niemanden für Bildung gewinnt und Bildung eher verhindert. Es ist eine Mogelpackung, die den Zuschauenden Tourismuswerbung als Dokumentation über Mozarts Werk unterschiebt. Und ich fürchte, das ist bei den anderen Pseudodokus über „berühmte Komponisten“ ebenfalls der Fall.

Ich frage mich, wie es bei Ihnen zu der Entscheidung kommt, Geld für derart fragwürdige Produktionen auszugeben. Es macht den Eindruck, als ob die Redaktionen beim ZDF nicht über professionellen Sachverstand verfügen.

Es wäre eigentlich die ureigenste Aufgabe von ARD und ZDF, dem teuersten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk der Welt, die Schätze unserer Kultur den Menschen, die sie noch nicht kennen, zugänglich zu machen.

Ich würde gerne von Ihnen oder anderen Verantwortlichen wissen:

Wie wird im ZDF über diese Aufgabe diskutiert?

Was wird dafür getan, neue Wege zu entwickeln, klassische Kulturschätze zugänglich zu machen auf eine für alle attraktive Art und Weise? – Welche Entwicklungsprojekte hat das ZDF da – oder welche gibt es in Auftrag – oder welche unterstützt es?

Aus meiner Sicht sollte es mittlerweile selbstverständlich sein, daß bezüglich solcher Fragen eine Transparenzpflicht besteht, damit die Öffentlichkeit als Korrektiv Ihre Arbeit unterstützen kann. – Das ist übrigens eine Forderung aus den Reihen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks selbst: Intendant und Justiziar des Deutschlandfunks forderten, „in dieses Geschehen Transparenz nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in programmlicher Hinsicht zu bringen, Öffentlichkeit herzustellen und die zivilgesellschaftlichen Kräfte zu bewussten Mitakteuren … zu machen. (E.Elitz und D. Stammler, zitiert nach: Kammann Uwe et al., Im Spannungsfeld, Zur Qualitätsdiskussion öffentlich-rechtlicher Fernsehprogramme (2007) https://www.grimme-institut.de/publikationen/studien/p/d/im-spannungsfeld/ S.61ff)

Mit freundlichen Grüßen

Winfried Lintzen

PS.:

(1) Diese „offenen Fragen“ sind veröffentlicht auf der Internetseite:  https://www.goethesfaust.com/stichprobe-zdf-kultur. – Ich sende sie auch an Joachim Huber vom „Tagesspiegel“.

(2) Aus meiner Sicht könnten Sie dem ZDF einen großen Gefallen tun, wenn Sie anregten, „Goethes Faust in 90 Sekunden“ aus dem Netz zu entfernen. Der Beitrag ist an Einfallslosigkeit und Unverstand nicht zu überbieten. Die Tragödie Margaretes wird banalisiert. Eine derart bagatellisierende Darstellung eines von einem Mann herbeigeführten schockierenden Frauenschicksals war schon zur Zeit der Entstehung dieses Beitrags völlig antiquiert um nicht zu sagen: völlig daneben.

(Diesen Beitrag mailte ich der Leiterin der Hauptredaktion Kultur im ZDF Frau Anne Reidt am 11.04.2021. – Frau Reidt hat nicht darauf geantwortet (Stand: 23.12.2021). (Der hier veröffentliche Text ist eine leicht verbesserte Fassung.)

 

 

Ulk auf´s Berliner Stadtschloß

Humbold oder Humbug? – Zum Berliner Stadtschloß (dem „Humboldforum“)

Der Palast der Republik,
Der fand sich einmal mächtig schick.
Die Republik erregte Wut,
Das tat auch dem Palast nicht gut,
Denn als die Republik bankrott
Da zählt von ihm nur noch der Schrott.

Einst stand das alte Stadtschloß hier,
Für das ulkige Kaisertier.
Das Kaisertier wollte gern Krieg
Doch vermochte nichts zum Sieg.
So mußte es denn schließlich gehen,
Sein Schloß aber, das ließ man stehen.

Sogar von Gröfaz Wahnsinnszeit
Wurde es noch mitbefreit.
Doch erlegte es sodann
Der sozialistsche Arbeitsmann.

Sein Staat hört kaum auf zu bestehen,
Will man das Stadtschloß wiedersehen.
Doch was beschränktem Sinn entsproß,
Soll nur so aussehen wie ein Schloß,
Soll nur so tun, wie dazumal,
Denn innen ist’s Beton und Stahl.

So wird ein Blödsinn oft ersetzt,
Damit ein anderer ergetzt.

 

Code 7500 von Patrick Vollrath

Der Film zeigt Menschen in Extremsituationen. Das ist künstlerisch immer ein Risiko. Viele „Tatorte“ z.B. scheitern künstlerisch schon an weit weniger extremen Situationen.

Möglicherweise hätten Experten für Extremsituationen an dem Film noch was zu meckern. Ich aber war erstaunt, weil ich die Inszenierung als „echt“ erlebte, es gab keinen Moment, der auf mich ausgedacht und gewollt wirkte.

Die Darstellung von Extremsituationen erfordert extreme schauspielerische Leistungen. Ich konnte nicht erkennen, daß die Schauspieler dem nicht gewachsen waren.

Das ist auch das Verdienst des Autors. Denn wenn das Drehbuch Schwächen hat, können die Spieler das nur begrenzt ausbügeln. Die Handlungsweisen der Figuren fand ich überzeugend, Vollrath ist es als Autor und Regisseur gelungen, die seelische Situation seiner Figuren gut zu erfassen.

Der Film zeigt, wie die Gewalt, die wir seit Jahrhunderten sähen, in dem wir die Welt mit unserem Wirtschaftssystem überziehen, auf uns zurückschlägt.

Die Terroristen, die Vollrath zeigt, waren nicht alle Psychopathen. Der Chefterrorist war nahezu väterlich zu dem überforderten jungen Terroristen. Das gab seinem Motiv Glaubwürdigkeit: dem Westen, der in anderen Teilen der Welt über Leichen geht, zu zeigen, wie sich das für die Betroffenen anfühlt.

Diese kurze Sequenz halte ich für die Schlüsselsequenz des Films. Hier stößt der Film eine Diskussion über Terrorismus an. Er zeigt die Einseitigkeit unserer Zuschreibungen, er zeigt, daß – bei allem Recht, was wir haben, uns gegen den Terror zu schützen – auch für das Urteilen über Menschen, die Terror verüben gilt: „Es ist des Richters erste Pflicht, Beschuldigte zu hören“.

Daß das Flugzeug nicht abstürzt, ist einer Wendung zu verdanken, die künstlerisch immer gewagt ist, weil sie leicht unglaubwürdig werden kann: es handelt sich um eine Art „deus ex machina“. – Doch obwohl Vollrath nur ganz wenige kurze Fragmente zur Verfügung hatte, um die Figur zu charakterisieren, die die Wendung herbeiführte,  hat er es geschafft, ihre Motivation, glaubhaft zu machen: Seelisch hinreichend gut ausgereifte Menschen sind ihren bösen Absichten nicht gewachsen und scheitern an ihren Stärken. Die Ambivalenz, die den jungen Mann überforderte, war für mich nachvollziehbar, nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistung von Omid Memar. – (Sicher, Skeptiker könnten bedenkenreich den Kopf wiegen und brummen: „Na, diese Wendung scheint doch ein wenig zu optimistisch“.)

Ich habe nur ein Bedenken: Ob ein Pilot in so einer Situation von der Flugleitstelle wirklich so alleine gelassen wird? Für solche Situationen müßten jederzeit psychologische Experten zur Verfügung stehen. – (Falls das nicht der Fall ist, hätte Vollrath eine Lücke in der Flugsicherung entdeckt…)

Der Film war so spannend, daß mir erst hinterher auffiel, daß er über 90 Minuten lang nur in einem engen Cockpit spielt.

Ich freue mich auf den nächsten Film von Patrick Vollrath.

Hier gehts zum Film

Hier geht es zu einer Kritik über einen „Tatort“ mit ähnlicher Ausnahmesituation

Babylon Berlin

Dank der überzeugenden Schauspielkunst waren die ersten beiden Folgen ein Genuß. Doch die Vorstellung, mehr zu sehen, langweilt mich.

Das Übliche: Sex and Crime – bloß mit ner‘ anderen Kulisse. – Und dann: Unnötige Nebenhandlungen, die versuchen durch Verknüpfung mit bedeutenden historischen Personen und Vorgängen einen Mehrwert rauszuschlagen – Mehrwert ohne Informationswert.

Zwei Folgen ohne Informationswert reicht mir, und wenn dahinter das Schlaraffenland käme: ich fresse mich nicht durch einen Berg faden Breis durch! Da können die Schauspieler so gut sein wie sie wollen!

Ich hatte die Hoffnung, meine schlechte Meinung vom Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk durch diese Serie falsifizieren zu können. Meine Hoffnung ist enttäuscht…

Der Goldstandart für Serien, den man verlangen kann vom „besten Fernsehen der Welt“ (so das Selbstlob von Programmdirektor Herres), der Goldstandart ist immer noch: „The Wire“. – Sicher „The Wire“ ist so anspruchsvoll, daß es anstrengt. Aber ich schätze: Es wäre kein Problem, auf einem ähnlich hohen Niveau an Information und künstlerischer Form eine Serie zu entwickeln, die eingängiger ist. – Soetwas zu entwickeln, genau das wäre die Aufgabe eines Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

 

 

 

„Einer bleibt übrig damit er berichte“ – Verfallsszenarien von Christoph Meckel

Meckels Texte sind Innenansichten für Außenstehende, Innenansichten derer, die in Verfall, Chaos, Zukunftslosigkeit und Tod blicken, weil sie fliehen oder weil sie nicht mehr fliehen können.

Wie auch immer wir das Problem der globalen Fluchtbewegungen lösen wollen: wir sind es den Fliehenden schuldig, dieses Problem nicht nur in seinem Ausmaß sondern in seiner ganzen menschlichen und existentiellen Bedeutung zu erfassen, zu begreifen, zu ermessen. Denn einen deutschen Paß zu haben, ist reiner Zufall. Wer die Ungeheuerlichkeit dieses Zufalls nicht begreift, hat gar nichts begriffen.

Meckels Erzählungen helfen, zu begreifen.

Was hat das nun mit Goethes Faust zu tun?

Meckels Erzählungen können aufgefaßt werden als „Parallelgeschichten“ im goethischen Sinne zum 5. Akt von Goethes Faust: Ein Potentat will Einheimische deportieren lassen, läßt die Deportation von Leuten ausführen, deren Skrupellosigkeit er eigentlich kennen müßte, und als nur Tod und verbrannte Erde zurückbleibt, flüchtet er in seine Vision, einen freien Grund für ein freies Volk zu schaffen, und hält diesen Zweck für so  heilig, daß er keine Probleme damit hat, dafür Zwangsarbeiter herbeizupressen. – Und von dem, was die, die von den Deportierten und Herbeigepressten übrig bleiben, erzählen, hat Meckel etwas aufgeschnappt…

Um zu ermessen, wie sehr Faust sich verstiegen und verblendet hat, und um zu ermessen, wie radikal Goethes Idee ist, solch einen Heini zu erlösen (die Engel finden ihn bloß peinlich), kann die Lektüre von Meckels Erzählungen hilfreich sein.

Und nicht zuletzt auch, um zu begreifen, auf welchem Gräberfeld wir heutigen Deutschpaßbesitzer tanzen: Meckel ist 1935 geboren. Wenn ich mir vorstelle, welche Blicke ins Chaos seinen Kinderaugen zugemutet wurden, dann scheinen die Geschichten, die er mit 70 veröffentlichte, davon ein später, gut durchgearbeiteter Reflex – eine Botschaft von jemandem der übrigblieb, damit er erzähle…

(Ich erinnere mich an einen Patienten von mir, einen überdurchschnittlich erfolgreichen, tüchtigen Mann, der nach seiner Pensionierung sich von Zeit zu Zeit an den Alkohol verlor, weil sich die Bilder hochwühlten, die er als 5-jähriger sehen und begraben mußte, z.B. die Straße, wo an jeder Straßenlampe ein deutscher Soldat hing, aufgeknüpft von Deutschen, die es für Recht befanden, jemanden hinzurichten, der verweigert, in einem aussichtslosen Kampf weiter zu töten… (So nutzlos kann ein deutscher Paß sein bei einer richtigen Entscheidung zur falschen Zeit am falschen Ort… – (Und noch in den 70ziger Jahren gab es einen CDU-Ministerpräsidenten, der Todesurteile für solche Hinrichtungen ausgestellt hatte und nicht verstehen konnte, was daran Unrecht gewesen sein sollte.)

Nachsatz: Wie bei Träumen sollte man sich bei der Lektüre von Meckels Erzählungen vor Deuten hüten. Deuten ist Ersatzhandlung, Abwehr: Abwehr der Stimmungen und Gefühle, die Meckels Erzählungen auslösen, unangenehme Stimmungen, die wortkarg machen für Stunden, wortkarg, gerade weil sie zur Sprache gebracht werden wollen, aber dafür müssen sie erst gefühlt, gespürt werden, deutlich! – Deuten ist dumm. Es geht ums Fühlen. Gefühle haben einen Informationsgehalt, um ihn „abzuschöpfen“ brauchen wir eigentlich gar nicht viel zu tun, die Gefühle drängen uns ihren Gehalt auf – sofern wir sie nicht verdrängen…

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/einer-bleibt-uebrig-damit-er-berichte/978-3-446-20572-7/