Faust II 3.Akt

Ein Palast am Strand – ein Schiff – Frauen steigen an Land. – Das Alpha-Weibchen, von düsteren Vorahnungen bedrückt, betritt seinen lange verwaisten Palast, doch stürmt schnell wieder heraus, als hätte sie ein Monster entdeckt. Während sie ihren Dienerinnen noch davon erzählt, erscheint das Monster an der Tür: Phorkyas, eine häßliche alte Frau (niemand anderes als Mephisto, der nur in dieser Gestalt Einlaß in die heidnische Welt der Antike bekommen konnte). Die Dienerinnen geben vor, den Anblick der Alten schlimmer zu finden, als die Kriegstraumatisierungen, die sie alle bei der Eroberung Trojas erlitten haben. – Die Alte beginnt zu keifen. Es kommt zu einer regelrechten Keilerei mit Worten, bis Helena dazwischengeht.

Im weiteren Verlauf kann Phorkyas den Frauen weis machen, daß sie alle von König Menelas getötet werden. Als sie andeutet, einen Ausweg zu wissen, werden die Mädchen, die die häßliche alte Frau anfangs wegbeißen wollten, „scheißfreundlich“. – Phorkyas unterrichet sie, daß in der Nachbarschaft sich ein mächtiger Räuber – Faust – eine Burg gebaut hat, da können alle hin. Tanzsäle und schmucke blonde Burschen gibt´s da auch. Die Mädchen sind kaum zu halten. – Helena stimmt der Rettung zu – allerdings mehr, um ihre Diennerinnen, als um sich selbst zu retten.

Der Wächter von Fausts Burg ist von der Erscheinung Helenas so hingerissen, daß er vergißt, sie zu melden. Faust will ihn deshalb bestrafen und stößt ihn gefesselt vor die Domina. Die ist entsetzt darüber, was ihre Schönheit schon wieder angerichtet hat, und begnadigt ihn. Nun geht Faust vor ihr in die Knie, und will ihr huldigen, doch da kommt der Wächter mit Fausts Mannen zurück, hoch beladen mit Schätzen, die sie alle Helena zu Füßen werfen. Sie machen Faust klar, daß er jetzt nichts mehr zu melden hat sondern sich alle bloß noch Helena verpflichtet fühlen.

Faust und Helena vermählen sich. Als sie sich zur Liebe zurückziehen, stürzt sich Phorkyas herein und behauptet, König Menelas greife an. Die Dienerinnen sind sofort in Angst und Schrecken versetzt und fordern Faust auf, was zu unternehmen. Der schickt seine Mannen los, um Helena, den Dienerinnen und ihm alle Gefahr vom Hals zu halten, und zieht sich mit ihnen nach Arkadien zurück.

Dort wird dem Paar bald ein Knabe geboren, Euphorion, der offenbar hochbegabt und frühreif ist, denn kaum geboren, steigt er schon Helenas Dienerinnen hinterher. Die Eltern sind entsetzt über seine Umtriebigkeit und machen ihm unmißverständlich klar, welche Besitzansprüche sie auf ihn zu haben glauben: Er soll gefälligst heile Familie mitspielen! Euphorion versucht das brav. Als er aber merkt, daß alle Mädchen von ihm entzückt und begeistert sind, voller Bereitschaft, sich ihm hinzugeben, als er merkt, daß er nur „heile Welt“ erlebt, ist er angewidert. Er sucht sich ein Mädchen, das sich ihm widersetzt, und versucht, sie zu vergewaltigen, sie ist aber stärker. Frustriert macht Euphorion seinen Eltern klar, daß er hier, im Land wo Milch und Honig fließt, alles bescheuert findet. Zum Entsetzen der Eltern entdeckt er, daß die Griechen gerade ihren Freiheitskampf gegen die Türken führen. Da will Euphorion als Freiheitsheld mitmischen. Er fühlt sich durch seine Begeisterung für den heiligen Krieg so beflügelt, daß er hinfliegen will – und zu Tode stürzt.

Helena will ihren Sohn im Hades nicht alleine lassen und verabschiedet sich von Faust.

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