Aufruf zur Gründung eines Bürgerrats für den Rundfunk

Medien, die von Markt und Macht unabhängig sind, sind notwendig für die Demokratie. – Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk soll so ein Medienverbund sein. Er genügt aber nicht den Anforderungen, die an einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk gestellt sind.

Die Aufsicht war unzureichend, die Politik hat zuviel daran herumgepfuscht, wir Bürger haben uns 60 Jahre lang um nichts gekümmert und die Presse allein kann es nicht schaffen, die Versäumnisse aller anderen auszubügeln. Es kam zu einer Fehlentwicklung, deren allabendliches Ergebnis in all seiner Lächerlichkeit nicht auffällt, weil wir so daran gewöhnt sind, längst nichts anderes mehr erwarten, aber uns auch längst nichts anderes mehr vorstellen können.

Mißt man mit etwas Abstand und Besinnung ARD und ZDF an ihren Möglichkeiten, glaubt man, einen Schildbürgerstreich vor sich zu haben.

Der Öffentliche-Rechtliche-Rundfunk könnte und müßte weit mehr von dem bringen, wofür er da ist: konfrontierende Interviews, hintergründige  Information, und vor allem: Fernsehspiele, die Breitenwirksamkeit, Unterhaltung und Niveau miteinander verbinden. – 

Die bisherigen Rückmeldungen: Bürgerinitiativen, Zeitungsartikel, Bücher: all das ist von den Rundfunkanstalten leicht ignorierbar, weil es untergeht im medialen Rauschen. –

Wir brauchen einen Rundfunkrat der Bürger, eine Stimme, deren Fragen nicht überhört werden können!

Es wird darum gehen, die Diskussion über die Rolle des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beleben, Entscheidungsstrukturen zu analysieren, den Umgang mit unserem Geld zu kontrollieren und zu hinterfragen, und den Einfluß der Politik aufzudecken und zu verringern.

Unsere Kraft sind unsere Fragen: Was wurde versucht um bessere Alternativen zu entwickeln, und wie entschieden, systematisch und ausdauernd wurde es versucht, und was wurde nicht versucht, und aus welchen Gründen wurden Versuche abgebrochen oder gar nicht erst erwogen. –

Voraussetzung ist: daß die Mitarbeit im Bürgerrundfunkrat nicht viel Arbeit macht und jeder selber bestimmen kann, wieviel Zeit er dafür aufwenden will – und wenn es nur eine Stunde im Monat ist. – Wenn wir viele sind, können die Lasten unseres Engagements so verteilt werden, daß Familie, Beruf, Interessen und Erholung darunter nicht leiden müssen.

Es kommt nur auf eines an: Stetigkeit und langer Atem…

 

Die Leitmaximen von Bürgerräten:

(1)

Moralisiere nicht! – Finde mehr darüber heraus, aus welchen Gründen die Kritisierten das, was Du kritisierst, für sinnvoll, berechtigt und in Ordnung halten!

(2)

Sei unsicher!  – Finde mehr darüber heraus, was an Deinen eigenen Überzeugungen und Wertungen unzutreffend, verkennend und unangemessen ist!

(3)

Wenig und stetig statt viel und kurz. – Tue so wenig, wie du magst. Reduziere Dein Engagement soweit, wie es nötig ist, um nicht die Lust daran zu verlieren. – Das Geheimis heißt: Stetig, wenig, leicht und klug.

Klug ist: wenn ich nicht erst auf Wirkung und Anerkennung meines Engagements warten muß, sondern ich persönlich davon schon genug habe: Freude, Erfahrung, Bildung, Wissen. („Kluge Konvergenz“: Selbst wenn die Arbeit eines Bürgerrates politisch zu nichts führen würde, bekämen die Bürger doch mehr Durchblick, verlören Illusionen, Naivität, Vorurteile und Primitiv-Deutungen (Verschwörungsphantasien) – und hätten viel Spaß zusammen!)

Leicht ist: Möglichst das tun, was nicht überfordert, was Interesse weckt und Freude macht. – Wenn viele Menschen zusammenarbeiten, ergänzen sich die verschiedenen Stärken und Interessen und jeder kann tun, was ihm leicht fällt – wenigstens weit überwiegend.

Wenig ist: Wenn ich nur soviel tue, daß es nicht zu unangenehmer Erschöpfung oder zu Konflikten mit der Familie, der Gesundheit, dem Beruf oder anderen wichtigen Interessen führt. – Wenn viele zusammenarbeiten, können alle bloß so wenig machen, wie sie wollen und es wird doch alles getan, was zu tun ist.

Stetig ist: Einen langen Atem haben; Geduld haben; den eingeschlagenen Weg auch weiter verfolgen, wenn noch nicht absehbar ist, daß wir unser Wunschziel erreichen, wenn noch nicht absehbar ist, wie die Fragen beantwortet und die Probleme gelöst werden können; den Faden immer wieder aufnehmen, falls er mal reißt und Pausen entstehen. – Die Stetigkeit ist leicht zu leisten, wenn die Grenzen der Leichtigkeit, Wenigkeit und Klugheit überwiegend gewahrt bleiben.

(4)

Denke kolumbianisch: Halte den Kurs ins Unbekannte bei. Falls es den Seeweg nach Indien nicht gibt, wirst du wenigstens Amerika entdecken.

(5)

Miß den Erfolg einer Handlung daran, wie gut sie dir gelingt – nicht wieviel Wirkung du erlebst.

 

Links:

Erste Ideen zu Bürgerräten

„Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“: trifft Mephistos Spott auch ARD und ZDF? – Zu Vorwürfen einer Degeneration des Rundfunks und zum Sinn eines Bürgermedienrates – mit „Offenen Fragen“ an Verantwortliche

Schildbürger auf Sendung: Anspruch und Wirklichkeit von ARD und ZDF

Nicht zuständig für die eigene Freiheit?

Engagieren statt Klagen: Über die Notwendigkeit von Bürgerengagement

 Korrespondenz mit den Justziaren von ARD und ZDF

Arte bildet nicht, Arte füllt ab. – Zur Dokumentationsästhetik des Fernsehens

Stichprobe: ZDF-Kultur

ZDF-Krimi-Abend: Wie lächerlich will sich das ZDF machen?

Die heute-show als Symptom

 

Professioneller Dilletantismus: Institutionalisierte Qualitätsmängel am Beispiel der Serie „Das Verschwinden“. (Dazu auch: „Schokolade für den Chef“)

Weitere Besprechungen von Serien und Sendungen auf Filmkritik