ZDF-Krimiabend – wie lächerlich will sich das ZDF machen?

Wenn die Dialogtexte unprofessionell sind, kann natürlich auch der beste Schauspieler sie nicht professionell sprechen. Wir Zuschauer sollten die Schauspieler ermutigen, sich die Dialoge so anzupassen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Denn wenn sie wie Dilettanten wirken, weil ihr Text dllettantisch ist, dann fällt das auch auf sie zurück. Ein Rennpferd, das man vor einen Karren spannt, wirkt eben nur noch wie ein Ackergaul.

Daß die Autoren mittelmäßig sind, ist nicht das Problem. 70% der Menschheit ist mittelmäßig und nur 15 % überdurchschnittlich. Und die Überdurchschnittlichen haben was besseres zu tun, als Samstagsabends-Krimis fürs ZDF zu schreiben. Auch wir Mittelmäßigen können Vorzügliches produzieren. Das ist dann eben bloß aufwändiger: wir brauchen dazu mehr Zeit und mehr Zusammenarbeit. Und das will das ZDF nicht bezahlen. Unter solchen Produktionsbedingungen, wie sie das ZDF zumutet, wird Mittelmaß ganz schnell unterdurchschnittlich. Sowas kann man höchstens als Dutzendware im Vormittagsprogramm durchgehen lassen, aber nicht an einer so herausgehobenen Stelle wie Samstag Abend! – Das zeigt, daß hier Funktionäre das Programm gestalten, die entweder keine Ahnung von Kunst haben oder zynisch sind (oder beides), Funktionäre, die nur Quoten kalkulieren.

Ein weiteres Problem besteht darin, daß immer mehr Krimis extreme menschliche Ausnahmesituationen darstellen. – Es wäre eine vergleichende Untersuchung wert, was für Mordfälle frühere Fernsehkrimissare zu lösen hatten. Heute handelt es sich meist um ganz scheußliche Verbrechen. Das muß natürlich zu künstlerischen Problemen führen: Die Reaktion von Polizisten und Angehörigen auf eine zu Tode gequälte junge Frau ist anders als auf einen hinterrücks erschossenen alten Patriarchen.

Es ist schon seltsam genug, daß ein Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk sein Quotenheil darin sucht, am laufenden Band Geschichten über scheußliche Verbrechen zu senden. – Damit handelt  er sich auch noch ein künstlerisches Problem ein: In einer beiläufigen Billigproduktion kann dabei kaum etwas anderes geleistet werden, als kitschige, gestellte und gestelzte Darstellungen der Reaktionen der Angehörigen  und Polizisten. Die Strategie in einem dieser Krimis war schon recht gut: die Schauspieler sollten möglichst wenig sagen und möglichst betreten und schockiert erscheinen. Aber das war gleich als Masche durchschaubar und wirkte – vor allem mit der monotonen und künstlichen Sprechweise – abstumpfend, man wurde davon regelrecht rammdösig. Hinterher spürte ich körperlich fast ein Gefühl von Übelkeit, wie nach Genuß einer Milch, bei der man erst nachschmeckt, daß sie bereits einen leichten Stich gehabt haben mußte.

Die Frage ist natürlich: was kann man verlangen, wenn so viele Krimis produziert werden müssen? Bei solcher Massenware ist es kein Wunder, wenn die Qualität leidet. Aber wenn das stimmt, ist die Frage, warum überhaupt so viel produziert wird. Ist das noch Grundversorgung, an einem Abend vier Krimis hintereinander? Ist es denen überhaupt klar, wie lächerlich das ist, einen ganzen Abend Krimis zu zeigen als „Grundversorgung“ zu verstehen? – Wenn es aber keine Grundversorgung ist: wie rechtfertigt sich dann der nutzungsunabhängige Rundfunkbeitrag? – Außerdem: Das wäre ja merkwürdig, wenn Grundversorgung bedeuten würde: soviel produzieren zu müssen, daß man nur noch Trash produzieren kann, fast food, von dem nur Abgehärteten nicht übel wird.

ZDF-Krimiabend: Nichts macht deutlicher, wieviel Beschiß der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk zur Zeit beinhaltet. – Wenn das ZDF einen Abend lang nur überflüssige Krimis zeigt, zeigt es eigentlich nur eines: daß es überflüssig ist. Es sollte privatisiert werden und seine Mittel darauf verwendet, die Qualität des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks zu heben.

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