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Free-Jazz? Fehlanzeige! – Anfrage an Arte

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist der Vielfalt verpflichtet. – Erklären Sie mir bitte, wieso dann der Free Jazz in Ihrer Mediathek fehlt?

Ihr Jazz-Angebot ist gefällig.

Die Aufgabe des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks ist es nicht, gefällig zu sein, sondern das Gute und Bedeutende, das nicht gefällig ist, interessant und attraktiv zu machen.

Die Aufgabe ist, Quote nicht durch Gefälligkeit sondern durch Einfallsreichtum zu erzielen.

Bitte erklären Sie mir und meinen Leserinnen und Lesern, wieso es allen möglichen Jazz in der Arte-Mediathek gibt, aber keinen Free-Jazz.

Mit freundlichen Grüßen

Winfried Lintzen

Die Antwort der Arte-Redaktion:

„Sehr geehrter Herr Lintzen,

wir sind dankbar für Stimmen wie Ihre, die uns eine direkte Zuschauerreaktion zu unseren Inhalten geben. Natürlich finden wir es schade, wenn Sie sich nicht ganz in dem Angebot von ARTE Concert wiederfinden. Ihre Aussagen nehmen wir uns aber gerne zu Herzen.

Hiermit möchten wir Sie auf ein paar Programme hinweisen, die Ihnen gefallen könnten, da sie aktuell online sind und sich im Bereich des Free Jazz‘ bewegen.

Derzeit gibt es in unserer Mediathek ein Konzert von Roger Kintopf: Structucture – Jazzfestival Frankfurt 2023 –  das verschiedene Elemente des Free Jazz einbindet.

Auch in den folgenden Konzerten gibt es einige „Free“-Passagen:

· Jakob Bro & Joe Lovano: Once Around the Room – Frankfurter Jazzfestival 2023 –

· Dirk Achim Dhonau – Elbjazz Festival 2023

Wir versuchen so gut es geht, die ganze Vielfalt der sehr großen Jazzszene abzubilden und hoffen, dass der Zuschauer auch weiterhin unser Jazzangebot nutzt und sich dort wiederfinden kann. Durch Kooperationen wie beispielsweise mit dem Elbjazz Festival, mit dem Deutschen Jazzfest oder mit einigen weiteren französischen Jazz-Festivals möchten wir dies regelmäßig sicherstellen.

Wir möchten Sie dennoch darauf hinweisen, dass es abgesehen vom Jazz sehr viele weitere Genres – wie Oper, World, Electro, Klassik, … – auf ARTE Concert gibt, die ebenfalls bedient werden müssen, um dem Zuschauer und der Zuschauerin ein Genre übergreifendes, vielseitiges und einfallsreiches Musik-Angebot bieten zu können.

Danke nochmals für Ihre Nachricht und mit freundlichen Grüßen

Ihr ARTE Concert Team “

Link auf den Wikipedia-Artikel über Free-Jazz

Link zu meinen Anfragen an die Intendanten

Link zu meiner Kritik am Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk: „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“ – trifft Mephistos Spott auch ARD und ZDF?

 

Kafka und die Degeneration der Leitmedien

Kein Zweifel, unsere Leitmedien gehören nach wie vor zum Wichtigsten unserer Demokratie.

Damit es auch so bleibt, ist es sinnvoll, über sie zu meckern.

„Kann Kafka glücklich machen?“ – So einen Titel können wir von einem besseren Boulevartblatt erwarten, nicht von der „Zeit“. – Genauso unsinnig wäre es, zu fragen: „Kann Schönbergs Oratorium ‚Ein Überlebender aus Warschau‘ glücklich machen?“

Der Titel ist in gewissem Sinne „populistisch“: Die Pop-Kultur hat die Vorstellungen von Kultur so beherrschend geprägt, daß alles, was nicht glücklich macht, Minuspunkte bekommt. Alles muß gefällig sein, sonst Daumen runter.

So würde es nicht wundern, wenn es bald ein „Bests Hits of Kafka“ gäbe: Eine Auswahl heiterer und humorvoller Passagen aus seinen Werken.

Wir leben in einer Zeit, in der mir intelligente junge Leute sagen, Beethoven-Sinfonien hören wäre ihnen zu anstrengend. – Wohlgemerkt: seine Sinfonien, nicht erst seine späten Streichquartette!

In so einer Zeit mit so einem Titel das Kafka-Jahr einzuleuten bedeutet: Die Mißverständnisse zu nähren über Bedeutung und Gehalt großer Kunst.

Doch wir sollten den Leitmedien zugestehen: Die Strömungen des Aufmerksamkeitsmarktes machen es verdammt schwer, einen guten Kurs zu halten. Aber deshalb ist es ja wichtig, daß wir, die Leute von der „Zivilgesellschaft“,  meckern, wo es was zu meckern gibt.

Ohne Korrektiv droht Degeneration. Keiner weiß das besser als Kafka.

Kafka zu lesen führt auf eine einzigartige Spur zur Erkenntnis von Problemen des menschlichen Lebens und Zusammenlebens. Sicher: zum Jubeln ist das nicht. Doch was kann das für ein Glück sein, das sich scheut, die Brille aufzusetzen? Gibt es irgend einen Menschen, der bewußt auf diese Weise glücklich sein will und mit so einem Glück bis in die Abgründe seines Herzens zufrieden ist?

Der Beitrag bezieht sich auf: „Kann Kafka glücklich machen“ von Stefan Willeke im Zeit-Dossier vom 25.1.24

Weiterlesen auf diese Web-Site:
zum Thema Fehleinschätzung von Kunstwerken: Initiative zur Entstaubung klassischer Kunstwerke
zur Kritik am Öffentlicht-Rechtlichen Rundfunk:
…. „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“ – Gedanken mit Offenen Fragen an Verantwortliche
…. Zusammenfassung meiner Kritik an ARD und ZDF in einem Offenem Brief

Externe Links:
Zum Wikipedia-Artikel über Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“
Zum Wikipedia-Artikel über Leitmedien

 

 

 

 

 

 

Die Entstaubung klassischer Kunstwerke

Klassische Kunstwerke werden mehr und mehr verkannt.

Das Problem ist: Sie wurden von den Bildungsbürgern für Statuszwecke vereinnahmt. Das ist ein willkommener Disqualifizierungsgrund in unserer mehr und mehr unterhaltungsversessenen Kultur.

Die Texte zu Goethes Faust auf dieser Website verstehen sich als Beitrag zu einer Initiative für die Wiederbelebung klassischer Kunstwerke:

Link zur „Initiative zur Entstaubung klassischer Kunstwerke“ (auf dieser Website)