Kritik am Tukur Tatort „Im Schmerz geboren“

Kunst hat was mit Stringenz zu tun, nicht mit Schnörkeln. Dieser „Tatort“ macht verständlich, wieso Spitzenfunktionäre des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks, wie G.Struwe, die selber nichts von Kunst verstehen, zynisch werden gegen die Kunst. Außer dem brillianten Spiel der Schauspieler und dem interessanten Plot der Geschichte ist so ziemlich alles mißlungen, und zwar nur aus einem einzigen Grund: weil da wer was Besonderes machen wollte. Schon die Verbindung des humorigen mit dem tragischen Element ist fehlgeschlagen. Die Grausamkeit wurde banalisiert. – Dazu trugen auch Kameramätzchen bei, die einfach deplaziert wirkten: wie z.B. das nächste Mordopfer durch ein durchschossenes Buch ins Visier zu nehmen. Prinzipiell gilt: Witzige und kreative Kameraeinstellungen sind weder witzig noch kreativ, wenn sie unnötig sind. Sie verbiegen dann einfach den Ablauf, etwa wie ein Pianist, der rauskommt.

Zum Dilletantischsten jedoch gehörte der Umgang mit Musik. – Wer Klassische Musik zur Untermalung seines Films einsetzt muß aufpassen: der Film muß dann richtig gut sein! Mir geschahs, daß ich jedesmal am liebsten den Film abgestellt und die Musik weiter gehört hätte. – Offenbar wußten die Filmemacher nicht, was sie an Kunstwerken vor sich hatten, als sie die Musik „montierten“. Gut, das kann man heute nicht anders erwarten. Die Unfähigkeit, die Kunst der Kunstmusik zu erfassen, ist nunmal ein Merkmal unserer Zeit. Klassische Musik hören muß man üben. Wers nicht übt, dem bleibt sie verschlossen. Schade, kaum jemand weiß, was ihm entgeht…

Es ist immer ein Zeichen von Dilletantismus, klassische Musik als Filmmusik zu benutzen. Das Geringste ist noch, daß es den Eindruck erweckt, als wolle da jemand mit fremden Federn seinen Film aufwerten. – Solche Filme sollte man sich nicht anschauen, weil die Gefahr besteht, daß man sich über Assoziationsbildungen die Musik verdirbt: An einer bestimmten Stelle einer Sinfonie kommt einem dann immer der Film in den Sinn… – Es ist seltsam, daß selbst ein Künstler wie Lars von Trier davon nichts versteht. – Es ist ein Eingriff in die Autonomie eines Kunstwerks und ein Mißbrauch des Kunstwerks, es zur akustischen Kulisse einer Handlung zu machen! –

Es scheint wirklich, als ob die beim Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk so oder so nichts von Kunst verstehen: Die einen wollen ständig Kunst machen, aber es kommt nur verschnörkelte Verquastheit dabei heraus, die andern (die Funktionäre) halten das aber für Kunst und schließen daraus, daß man alles Anspruchsvolle aus dem Programm verbannen müßte. – Hochdotierte Dilletanten!

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