Haydar Zorlu: Faust Solo

Goethes Faust, Ein Schauspielsolo mit Haydar Zorlu

Ein Faust für Einsteiger: Haydar Zorlu erzählt das Drama sehr verspielt und sehr frei, aber ohne daraus eine Blödelfassung zu machen. Die Freiheiten in der Textbehandlung und der Dramaturgie stehen im Dienste der Verständlichkeit: Goethes sprachliche Virtuosität überfordert den Zuschauer oft, vor allem Zuschauer ohne Vorkenntnisse. Hier schafft Zorlus Darbietung Abhilfe, in dem der Originaltext stellenweise aufgelockert und durch Kommentare ergänzt wird. Die Freiheiten in der Dramaturgie schließen die Brüche, die Goethe für uns „zu supplieren“ übriggelassen hat und die den Zuschauer, vor allem, wenn er sich unvorbereitet mit dem Stück befasst, öfter rätseln lassen, was eigentlich vorgegangen ist – so z.B. bei Fausts Rückzug ins Gebirge. Hier kommt im „Faust-Solo“ uns der Erzähler zu Hilfe. Für „erfahrene“ Faust-Zuschauer sind die Freiheiten der Textfassung und der Dramaturgie natürlich sehr ungewohnt. Es darf einem das Original nicht zu heilig sein, wenn man sich diese Darbietung anschauen will. Die Abwandlungen der Verse „passen“ aber zu dem unprätentiösen, erzählerischen Stil der Darbietung: Zorlu erzählt das Drama so, wie man es am Lagerfeuer Leuten erzählen würde, die noch nie von der Dichtung gehört haben. Dabei zieht er alle Register schauspielerischen Könnens.
Im Einzelnen könnte man natürlich einiges kritisch anmerken: z.B. ob man dem Pudel wirklich so viel Raum geben muß und ob es in diesem Rahmen unbedingt nötig ist, daß der Erzähler uns über so viele Einzelheiten des Originals informiert. Im Ganzen kommt aber ein ganzer „Faust“ dabei heraus…
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Faust-Solo

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