Das Schicksal der Gelbauer

Fünfte phantastische Geschichte aus der Rahmenerzählung „Psychjatergarn“ von Lars Lehmann

Die Schloßterrasse hatte auf alle Gäste eine entspannende Wirkung. Jedenfalls hatten wir nie Streit erlebt. Bis ein älterer Ingenieur erschien, der sich zur AfD bekannte. Er behauptete, Merkel würde diktatorisch regieren, und wir würden alle auf die Lügenpresse reinfallen. Sozialstaat und globale Verantwortung hielt er für „Gutmenschenwixerei“, die die Leistungsfähigkeit der Starken lähme. – Er ließ nichts, was seine Behauptungen widerlegte, gelten, alle Fakten, die seine Ansichten in Frage stellten, waren für ihn Fiktionen der Lügenpresse, die das deutsche Volk klein halten und sein Recht auf Größe unterdrücken sollten.

Unter den giftigen Seitenblicken des dicken Professors versuchte der Psychiater, die Diskussion zu moderieren, aber die Unternehmerin geriet immer wieder derart in Rage über die unter-schwelligen rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen des Ingenieurs, daß der Psychiater trotz all seiner Berufserfahrung keine Chance hatte. – Der Professor stand plötzlich auf, bat, ein Gedicht vortragen zu dürfen, doch begann, ohne eine Erlaubnis abzuwarten:

„Die Leute von der AfD,
Die haben große Not:
„Die Fremden tun uns vielleicht weh,
Wir schössen Sie gern tot!
Und weil wir große Schisser sind
Am liebsten gleich mit Weib und Kind!“

Der Professor spielte damit auf eine AfD-Spitzenpolitikerin an, die in einer Mail die Frage bejaht hatte, ob zum Schutz der deutschen Grenze auch gegen Frauen und Kinder Schußwaffen zum Einsatz kommen sollten. Hinterher hatte die Politikerin richtiggestellt, sie sei bloß aus Versehen auf die Maustaste gekommen. – Der Ingenieur sprang wütend auf und beschimpfte uns: Da säh man es ja mal wieder, wir hätten bloß Vorurteile, wir wären gar nicht bereit zuzuhören, wir wür-den alles verdrehen und entstellen und uns auf seine Kosten als Bessermenschen aufspielen. Damit verließ er die Terrasse, gefolgt von seiner stillen Frau, die einen mehr traurigen als verlegenen Ausdruck zeigte.

„Leute wie der sind nicht mehr für die Vernunft zu gewinnen“, brach meine Frau das betretene Schweigen nach Abgang des Paares, „wir brauchen uns damit nicht länger zu beschäftigen und können getrost den Abend genießen!“

„Da kennen Sie den Psychiater aber schlecht, Verehrteste“, rief der Professor, „ich wette, der werte Herr Psychiater wird versuchen, uns dafür zu gewinnen, Verständnis für den Wutbürger zu haben!“

„Ihh“, kommentierte die Unternehmerin, „Verständnis für Menschen, die die Regierung an-fragen, wieviel Beschnittene es gibt, wieviele davon jüdisch und wieviele islamisch sind, und wieviel die Behinderten uns kosten und wieviele davon Flüchtlinge sind! – Für solche Leute kann man soviel Verständnis haben wie für KZ-Aufseher!“

„Ohne Verständnis wird nichts besser aber alles schlimmer“, meinte der Psychiater. Dann wandte er sich an meine Frau: „In der Verständigung besteht Erfolg nie darin, jemanden für irgendetwas zu gewinnen, sondern darin, die Chance einer Begegnung zu schaffen, d.h. gemeinsam herauszuarbeiten, was jemand eigentlich meint und fürchtet, welche Gründe er dafür hat, und was er dafür zu tun gedenkt, seine Meinungen und Befürchtungen zu überprüfen.“

„Was für ein akademisches Gefasel!“, fauchte die Unternehmerin. Der Professor hatte bereits ostentativ künstlich gegähnt. Der Psychiater wirkte hilflos. Eine sahnekuchenselige dicke Dame, mischte sich ins Gespräch:

„Ich finde der Psychiater hat völlig Recht. Man sollte niemals aufgeben!“

„Eine Hand ausgestreckt halten“, murmelte ihr Mann nickend, ein spindeldürrer betagter Anwalt, der durch Wortkargheit aufgefallen war.

„Wie wär es mit einer Geschichte“, wandte ich mich schnell an den Psychiater, als ich sah, wie die Unternehmerin mit blitzenden Augen den Anwalt angehen wollte, der alte Mann tat mir leid.

„Nur wenn es uns zu diesem Thema etwas bringt“, entfuhr es der Unternehmerin.

Der Psychiater war freudig überrascht: „Nun, Sie wissen, wie gerne ich erzähle! Aber eine paßgenaue Geschichte habe ich nicht.“

„Ja eine Geschichte“, sagten der dicke Professor und die dicke Dame wie aus einem Munde, und die Dame nahm die Hand ihres Gatten erwartungsvoll in die ihre. Die andern nickten.

„Mir soll es recht sein!“ rief der Psychiater erfreut aus, wartete, bis sich alle bequem zurückgelehnt hatten, und begann:

„Als junger Mann mit wenig Erfahrung ist man beruflich wenig wählerisch. – Allerdings habe ich auch eine gewisse Neugier auf uninteressante Orte – möglicherweise nur um meine Intuition zu bestätigen, daß Menschen überall interessant sind… – Doch wie dem auch sei: Anfang der 70-ziger Jahre übernahm ich in Gelbau, der winzigen Kreisstadt eines gleichnahmigen Landkreises, eine verwaiste Praxis. Die Gelbauer galten bei ihren Nachbarn für genauso öde, wie ihre Gegend, ein abgelegener Zipfel der damaligen Zonengrenze.

An einem strahlenden Frühlingstag reiste ich in meiner klapprigen „Ente“ zum ersten Mal hin. Lange war ich mit offenem Verdeck durch eine blühende Tiefebene gefahren, als sich plötzlich die Aussicht über ein Tal auftat. Daß es noch tiefer ging, wirkte unnatürlich. Der Boden schien wie eingebrochen. Etwa 50 m unter mir erstreckte sich bis zum Horizont eine gelbliche, sandige, dennoch unangenehm feucht wirkende Ebene, baumlos, schütter mit Grün durchsetzt, mit vielen kahlen, räudigen Flecken. Einsiedlerhöfe standen verloren herum. Mit ihren unverputzten Anbauten wirkten sie ärmlich und liderlich. – Der Weg in die Kreisstadt führte etwa 30 km durch diese unfruchtbare Talsohle. Das Städtchen lag in einer merkwürdigen, unerklärlichen Mulde am Rande der Senke.

Um den Tourismus zu fördern, hatten die Gelbauer behauptet, ihre Heimat sei durch einen urzeitlichen Meteoriteneinschlag entstanden. Die Wissenschaft hatte widersprochen: Wenn es sich bei der Senke um einen Krater handeln würde, hatte sie argumentiert, müsse sich die Mulde deutlich mittiger befinden. Daraufhin waren die Kratertouristen ausgeblieben. – Auch für die Industrie war es nie interessant gewesen, sich so weit abseits aller Infrastruktur anzusiedeln. – So blieb das Gebiet arm, öde und einsam.

Von den Gelbauern hieß es: sie seien einstmals in diese Wüstenei abdrängt worden, weil sie zu schwach gewesen seien, sich zu wehren, und eine so dürftige Erde könne keine Stärke hervor bringen, deshalb seien sie schwächlich geblieben. Die Gelbauer versuchten nicht nur, in Fuß-ballturnieren mit den Nachbarn dieses Vorurteil zu widerlegen – was ihnen aber, obwohl sie immer mindestens durchschnittlich abschnitten, nie gelungen war – sondern sie fanden das Urteil auch deshalb ungerecht, weil sie eine Kunstfertigkeit entwickelt hatten, mit der sie dem unfruchtbaren Boden erstaunlich viel abgewinnen konnten.

Kurz vor meinem ersten Besuch, hatte ein angestammter Ingenieur entdeckt, daß die Zusammensetzung des gelbauer Sandes Bestandteile enthielt, die Beton zu weit größerer Festigkeit verhalfen. So bekamen die Bauern eine wirtschaftliche Chance. Sie begannen, die Landschaft zu durchwühlen, und bald sah man, wohin man sah, häßliche Silos und noch häßlichere giftgelbe Abraumhalden.

1973, drei Jahre nach Beginn der Baustofförderung, fragte ich mich zum ersten Mal, ob etwas nicht stimmte. Die Gelbauer Bauern wirkten verändert. – Sie galten von jeher als ungewöhnlich nett für solche allseits verkannte Armenhäusler, von denen man eher eine chronifizierte mürrische Verbitterung erwartet hätte, mit unterschwelligem Groll. Doch die Gelbauer waren bekannt dafür, daß sie sich von ihrem Schicksal nicht den Humor verderben ließen. Enttäuschung und Erschwernis waren abgesunken in eine hintergründige, milde melancholische Gestimmtheit, die sich Ausdruck suchte in gelegentlichen Seufzern und der stereotypen Redewendung: „Tja, es fällt niemandem etwas zu!“ – Diese Grundstimmung fehlte plötzlich. Die Bauern wirkten zwar deutlich zuversichtlicher, aber auch förmlicher, man hatte den Eindruck, nett abgefertigt zu werden. Früher war ihnen ihr Befinden gegenseitig ein Anliegen gewesen. Sie hatten niemanden mit seinen Schmerzen oder Freuden allein gelassen. Dieses Interesse an anderen spürte ich nicht mehr.

Die Bauern trieben den Abbau des Gelbauer Sandes immer weiter voran. Man sah jetzt überall Industrieanlagen, die aus gebrauchten, verbeulten Teilen auf wahnwitzige Weise zusammen-gestoppelt waren. Ihre Ausläufer staken in häßlichen, seegroßen Löchern, angefüllt mit einem gelben Wasser, das auf seltsame und widerliche Weise wässriger wirkte als normales Wasser. Die giftgelben Abraumhalden wuchsen zu hohen, unglaubhaften Bergen heran. Die Landschaft mutete an, wie ein einziges großes Industriegelände, in dem vereinzelte Felder und Wiesen vergessen worden waren, es machte den abstoßenden Eindruck des Unwirtlichen, Schäbigen und Vernutzten.

Die Bauern schienen erschöpfter als früher. Sprach ich jemanden an, wichen Ernst und Anstren-gung schlagartig einem Ausdruck, den ich wohl für nett halten sollte. Es war, als erinnere sich ihr Gesicht an eine frühere „Einstellung“, die es reflexhaft einnahm. Es bekam dadurch eine unheimliche, puppenhafte Anmutung.

Die Kinder und Jugendlichen zeigten sämtlich einen stereotypen Zug von Altklugheit. Meine Versuche, mit ihnen zu spielen oder zu scherzen endeten immer peinlich: Sie gaben mir zu verstehen, meine Absicht zu durchschauen und es dümmlich zu finden, daß ich nicht längst begriffen hätte, daß sie für sowas schon zu vernünftig seien. – Merkwürdig war auch: Egal, wie ihre Schulnoten waren: sie gingen alle nach der 8. Klasse ab, um in den Familienbetrieben zu arbeiten.

Die Ähnlichkeit der Denk- und Verhaltensweisen, die offensichtliche Unoffenheit, die Altklug-heit der Kinder und das Verschwinden jeglicher Art von Feiern, jeder Form von Humor und Ver-spieltheit: das alles ließ den Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft aufkommen, ja, einer gewissen milden Form von kollektiver Besessenheit. – In der Tat habe ich später ähnliche Formen von Besessenheit öfter bei Menschen angetroffen, die in der Finanzbranche arbeiteten. Aber die Gelbauer Bauern? Die waren – bei aller Bauernschläue – „irgendwie“ nicht der Typ dafür, zu besessenen Geschäftsleuten zu mutieren. Ich kannte zuviel von ihrem früheren Humor, ihrem früheren Interesse für einander, ihrer Lebensfreude und ihrer Freude an schlichten Festen.

Im Kreisstädtchen war es schick geworden, sich das Mineral, das aus dem Gelbauer Sand her-ausraffiniert wurde, in geschwungenen Ziergläsern in die Wohnungen zu stellen. Das Mineral war in der Tat nicht unspektakulär: ein matt hellgrünes Pulver, dessen Oberfläche das Licht sehr ungewöhnlich reflektierte, so daß ein überraschend angenehmes, ganz subtiles Schimmern davon ausging. – Die Wissenschaft hatte festgestellt, daß dieses Mineral synthetisch nur extrem aufwändig herzustellen war, zu Preisen, die sich für keinen Bauherrn lohnen würden. Aber aus dem Gelbauer Sand ließ es sich mit unaufwändigen Verfahren gewinnen. – Es fiel auf, daß noch nirgendwo anders auf unserem Planeten ein Vorkommen dieses Sandes gefunden worden war. Und es war in der Tat rätselhaft, wieso es ausgerechnet hier ein solches Vorkommen gab, welche geologischen Prozesse hier zu einer so seltenen und aufwändigen Verbindung von Elementen geführt hatten. Es gab nicht die geringsten Hinweise auf besondere Kräfte, wie Vulkanismus oder Plattentektonik, ja nicht einmal Hinweise auf eiszeitliche Gletscher.

Obwohl sich die Bauern so unvorteilhaft verändert hatten, begann ich, mich mehr und mehr als Gelbauer zu fühlen. Möglicherweise habe ich von Kindheit an ein zu wenig befriedigtes Zugehörigkeitsbedürfnis. Ich wurde früh in die Autonomie gedrängt, lernte, mir selbst zu genügen und wurde Einzelgänger. So bekam ich bis zu meiner Zeit in Gelbau gar keine Gelegenheit, zu bemerken, wie gut sich Zugehörigkeit anfühlt. Möglicherweise ist das eine Erklärung dafür, was mir in Gelbau passierte.

Eine weitere Erklärung ist die Angst. Es begann schleichend. Wie wohl jeder Mensch, dachte auch ich manchmal an den Weltraum, und wie verloren unser Planet seine Bahn zieht um ein winziges Licht in unendlicher Nacht. – Es regnet nicht Meteoriten unvorhersehbar dreimal im Monat, es hätte evolutionär keinen Sinn gehabt, Angst vor dem Weltraum zu entwickeln, so wie unsere angeborene Abscheu vor Schlangen oder Spinnen. Es braucht schon Wissen und Verstand, um sich vor der Möglichkeit, daß etwas aus dem Weltraum kommt, zu fürchten. Aber da so gut wie nie etwas aus dem Weltraum kommt, bleibt diese Furcht bei gesunden Menschen extrem instabil. Ich dachte daher auch nur ganz sporadisch daran, wie schutzlos wir dem unendlichen Himmel über uns preisgegeben sind. Ich konnte mir aber immer besser vorstellen, daß da so allerhand herumschwirrt, das so mir nichts dir nichts auf uns herabfallen kann. Nicht alles ist so klein, daß es in der Atmosphäre vollständig verglüht. Es müssen ja nicht immer gleich Meteoriten von 10 km Durchmesser sein. Es könnten ja z.B. Klümpchen sein, nicht viel größer als Kieselsteine, aber voll von virenartigen Vorformen des Lebens.

Mir fiel nicht auf, daß ich begann, eine Angststörung zu entwickeln. – Ein Wahn war es nicht, ein Wahn ist eine unanzweifelbare Gewißheit. Doch ich konnte meine Angst immer wieder in Frage stellen und mich mit dem Gedanken beruhigen: Wenn man sich davor fürchtet, wovor müßte man sich dann sonst noch fürchten? Da wär ja vieles denkbar: mutierende Pilze, spinnende Atomwaffencomputer, betrunkene Lastwagenfahrer, amoklaufende Nachbarn, runterfallende Flugzeuge usw. usw.

Dann begann die 2. Stufe: Ich kam immer häufiger mit den Gelbauern ins Gespräch, und alle fanden meine Angst nicht unangemessen sondern sehr richtig. Sie wunderten sich im Gegenteil, daß die andern Menschen so sorglos und naiv seien bezüglich der Gefahren aus dem Weltraum, man müsse wohl in einem Krater leben, um dafür einen Sinn zu haben.

„Naja“, gab ich zu bedenken, „es ist eben fast nie etwas Schlimmes passiert, was soll man sich fürchten, wenn man davon ausgehen kann, daß das so bleibt.“

„Das haben die Saurier auch gedacht“ erwiderte ein Bauer, „es kann jede Stunde was kommen, jede Stunde! Es kann auch nichts kommen, das ist richtig. Aber weiß man´s? Wir leben in einem Krater, wir wissen, daß was runterkommen kann. Nur Narren bereiten sich nicht vor! Glauben Sie erfahrenen Bauern: man muß vorbereitet sein!“

Eigentlich hätte es nicht die Kompetenz eines Psychiaters gebraucht, um zu bemerken, daß die Gelbauer offenbar im Geheimen eine Massenhysterie entwickelt hatten. Ich kann nicht nach-vollziehen, wieso mir das damals nicht auffiel. Das Bewußtsein, daß wir den Zufällen der Un-endlichkeit hilflos ausgeliefert sind, muß meinen Verstand gelähmt haben. – Aber ist es nicht auch erschreckend? Die Erde ist wie ein Mensch ohne Immunabwehr. Stellen Sie sich vor: Jederzeit könnte etwas herunterkommen, das alles Leben auf der Erde auslöscht! Alles! Es spielt keine Rolle, daß seit den Sauriern keine globale Katastrophe mehr passiert ist, es gibt keine Regel, kein Gesetz, nur den bloßen Zufall. Wir sind hilflos den kosmischen Zufällen ausgeliefert! Jederzeit könnte die Menschheit ausgelöscht werden und all unsere Spuren verschwinden! Und dann wäre alles Leiden und Schaffen der Menschheit umsonst gewesen, sinnlos.

Mir ging damals auf, was das für mein eigenes Leben bedeuten würde: Nichts von dem, an dem ich mitgewirkt hatte, nichts, würde zu irgendetwas führen! Meine Zukunft, die vor mir lag, jede kommende Stunde, wäre so sinnlos, als würde sie gar nicht stattfinden, sie wäre nicht besser als reines Nichts. – Die Sinnlosigkeit, die über uns hängt wie ein Damoklesschwert, tötete alle Freude. Es war, als wäre aus Geist und Seele plötzlich Schwerkraft und Richtung heraus-genommen worden. – Dunkel wußte ich: Ja, das ist Depression. – Aber es fühlte sich nicht an wie eine Krankheit sondern wie eine Wahrheit, wie die einzig richtige und stimmige Reaktion auf unerträgliche Tatsachen. – Ich erfuhr, daß die Gelbauer schon weit länger als ich unter dieser Bedrückung litten. Erstaunt meinte ich einmal:

„Ja, aber ich war doch Euer Psychiater, warum seid ihr damit nie zu mir gekommen?“

Sie lachten: „Um uns die Gefahr psychologisch wegerklären lassen von jemandem, der keine Ahnung hat? Oder uns mit Pillen dagegen abzustumpfen? Davon geht das Problem nicht weg!“

„Toll finden wir das nicht“, fügte einer hinzu, „jahrhundertelang rackern die Gelbauer sich ab auf den kargen Feldern, und dann sowas! Aber was sollen wir machen? Es ist, wie es ist!“

Ich wußte nicht, was er meinte, aber sie verabschiedeten sich zu ihrer Arbeit und verwiesen mich für weitere Erklärungen an den Bauernrat, zu dem ich bald Zutritt bekommen würde.
Die Bauern hatten im Kreis das Sagen übernommen. Als Neu-Gelbauer war ich der letzte, der aufgenommen und aufgeklärt wurde: Den Gelbauern war auferlegt, unseren Planeten zu schützen. Schon immer waren sie überzeugt gewesen, in einem Krater zu leben, wußten aber selbst nicht, wie ernst sie ihre Überzeugung nehmen sollten. Durch den Abbau des Gelbauer Sandes war ihnen einiges klar geworden. Nach einigen Jahren hatte in ihren Körperhöhlen etwas zu wachsen begonnen und sie wußten intuitiv, was es war: Eine außerirdische Intelligenz hatte alle Planeten, die intelligente Lebensformen hervorbringen konnten, „geimpft“: Sie hatte an mindestens einer Stelle jedes dieser Planeten ein Mineral ausgebracht, das in der Lage war, ein hochkomplexes artifizielles Strahlungsmuster zu speichern, das sowohl bestimmte Körperzellen zu einer veränderten Reproduktion anregte, als auch über gezielte Manipulationen des Hirnstoffwechsels Informationen weitergab. Nur intelligente Lebensformen konnten damit etwas anfangen.

Auf der Erde war das Mineral sehr früh vor der Entstehung intelligenten Lebens ausgebracht worden, so daß es sich im Verfallsprozess mit Silizium angereicht hatte, und die Dosis zu gering geworden war, um unter „natürlichen“ Bedingungen genügend Information vermitteln zu können. Die Gelbauer hatten bloß vage Ahnungen gehabt, daß hier etwas heruntergekommen sein mußte und noch vagere Ängste, daß nochmal was runterkommen könnte. Mit dem Abbau und der Raffinierung des Gelbauer Sandes war die Strahlung stärker geworden und die Körperzellen der Bauern hatten begonnen interplanetarische Immunzellen zu produzieren: ein Gewebe, das nicht irdisch war, obwohl es aus irdischen Genbausteinen bestand. Die Bauern würgten es regelmäßig heraus, haarfeine seltsam fleischige Fasern, die sich noch während des Herauswürgens zu einem unentwirrbaren fleischigen Gewölle verknoteten. Jeden Abend entwürgten sie mühsam ein bis zwei Meter, legten die Knäuel im Abstand von einigen Metern in die Erde und versorgten sie mit verschiedenen Suden, die sie aus Kräutern und Erden zubereiteten. Im Boden trieben die Knäuel aus, bildeten queckenartige Wurzeln, verbanden sich miteinander, und verbunkerten sich in einem holzigen Kokon. Das Herauswürgen tat zwar nicht weh, aber dauerte bis zu einer Stunde und war extrem anstrengend. Anstrengend war auch die Pflege des Geflechts. Es mußte sehr aufwändig versorgt werden.

Wir Städter zogen hinaus auf die Höfe und wurden alle Bauern. Es mußte uns keiner sagen, was wir zu tun hatten, wir wußten es instinktiv. Ebenso wußten wir: Wenn wir länger mit dem Gelbauer Gold zu tun hatten, würden auch in uns irgendwann Immunzellen wachsen. Und obwohl wir sahen, wie anstrengend das war, konnten wir es kaum erwarten, etwa so, wie Heranwachsende sich darauf freuen, endlich selbstverdientes Geld nach Hause zu bringen. Es war einfach so, daß man sich nicht als vollgültiger Gelbauer fühlte, ohne Immunzellen für unseren Planeten hervorzubringen.

Ich fragte, ob man nicht besser die Welt aufklären sollte über die Gefahr aus dem Weltraum und den Aufbau der interplanetarischen Immunabwehr, dann würde doch alles viel schneller und umstandsloser gehen. „Das ist alles nicht so einfach“, erwiderten sie. „Hast du, als du hier ankamst, gleich gefühlt, wie prekär die Lage unseres Planeten ist? Hättest du uns geglaubt? Man muß sich schon länger mit dem Problem beschäftigen, bis man die Illusionen über die Sicherheit unseres Planeten verliert!“

Sie hatten Recht. Es würde kein Problem sein, uns alle unter dem Vorwand einer „sonstigen wahnhaften Störung“ wegzusperren. Wir mußten damit rechnen, daß die Bedenkenträger der Regierung erwägen würden, bei der gelbauer Entdeckung könne es sich um etwas Schädliches handeln, und sie „zur Sicherheit“ in den tiefsten Geheimbunkern verschlössen. – Nein: An die Öffentlichkeit zu gehen, war zu riskant. Aber es war auch unnötig: Die Strahlung im verbauten Beton und den exportierten Ziergläsern würde weltweit auf Dauer immer mehr Menschen informieren.

Wir fühlten uns als Elite der Desillusionierten, als die einzigen, die reif genug waren, der Wahr-heit ins Gesicht zu sehen. Der Sinn und die Würde, die uns daraus zuwuchsen, halfen uns, unser Los zu tragen. Denn der Aufbau des interplanetaren Immunsystems war mühsam und entbehrungsreich, wir hatten für nichts anderes mehr Zeit und Sinn. Nach dem Aufstehen gab es ein flüchtiges Frühstück, dann ging es auf die Felder. Ich sammelte die Pflanzen, die nötig waren für die Sude, mit denen wir das Gewächs düngen und pflegen mußten. Gleichzeitig war ich damit beschäftigt, Temperatur und Witterung zu prüfen, denn die Immunzellen waren empfindlich, die Sude mußten auf die je aktuellen atmosphärischen Bedingungen abgestimmt werden. Die erforderliche Sensibilität und Intuition erwarb man zwar schnell. Aber auch das Brauen der Sude war mühsam. Wir standen stundenlang in abgedunkelten Räumen mit bloßen Beinen in großen Bottichen und mußten in bestimmten Rhythmen gleichzeitig mit den Händen quirlen und den Füßen treten. Die Bewegungen lernte man zwar ebenso schnell und spielend und ohne große Frustration wie alles andere, aber es war stets die volle Konzentration erfordert, es war anstrengend und monoton. – Dazu brauchten die Gewächse mehrmals am Tag unterschiedliche Lichtverhältnisse und mußten auf verschiedene Weise ab- und aufgedeckt werden. Und auch da mußten wir jeden Bedarf mit viel Aufmerksamkeit erspüren. Und trotz aller Mühe drohten die Gewächse ständig einzugehen, sobald wir in unserem Engagement nachließen.

Zusammen mit unserem Wissen um die Pflege der Immunzellen wurde auch unser Wissen um das Immunsystem immer deutlicher: Irgendwann würde es nie wieder Arbeitslose geben, jeder Mensch würde eine planetare, ja sogar eine interplanetare Wichtigkeit haben! Denn das System würde so pflegebedürftig bleiben, wie es jetzt war, und aufgrund des erforderten Einfühlens war die Pflege nicht maschinisierbar. – Die Arbeit war zwar nicht hektisch, das wäre wegen des häufigen Einfühlens gar nicht möglich gewesen. Aber wir waren stetig gefordert, wir hatten nichts anderes mehr im Sinn als die Pflege, unser ganzes Leben drehte sich nur noch um sie, alles andere wurde unwichtig: Das Spielen der Sonnenstrahlen in den Zweigen? Was bedeutete das schon gegenüber der Sorge um das Überleben der Menschheit?

Doch je klarer mir wurde, wie unsere Zukunft aussehen würde, desto klarer wurde mir: Es würde immer so bleiben wie es jetzt war: nie wieder würde es Besinnung, Unbeschwertheit und Spiel geben, denn selbst bei der Rast waren wir gedanklich noch mit der Pflege beschäftigt. Alles Sinnen und Trachten war ausgerichtet auf das, was zu tun notwendig war. Es war nicht mehr möglich, völlig „abzuschalten“, es würde nie wieder unbeschwerte Augenblicke geben, wie das Entzücken über Kinderlachen, alles würde zur Kulisse des Engagements für den Planeten-schutz. Auch beim Essen und vor dem Einschlafen waren wir noch damit beschäftigt, und selbst die Liebe stand im Schatten des Wichtigeren.

Es ist nicht leicht, Ihnen das nachvollziehbar zu machen. Stellen Sie sich vor, Sie seien Kapitän eines großen Passagierdampfers in Seenot. Wie würden Sie während Ihres Ringens mit dem Meer einen spektakulären Sonnenuntergang erleben? – Und abgesehen davon, daß der Kapitän weiß, daß die Seenot nicht den Rest seines Lebens dauern wird, kann er kreativ sein bei der Reaktion auf Unerwartetes, und er macht Erfahrungen, die seine Kompetenz erweitern. Wir dagegen waren nur Befehlsempfänger. Das Einfühlen ließ zwar nie Routine zu, war aber so kreativ, wie das Einfühlen in den Feuchtigkeitsbedarf einer Topfpflanze. – Ich fühlte mich entindividualisiert: Es kam auf meine individuelle Art des Erlebens und Denkens nicht mehr an. Wir waren alle damit beschäftigt, das Gleiche zu erfühlen, zu denken, zu tun. Aber vor allem: unser Los war unabänderlich, es würde nie wieder etwas anderes kommen! Das unbeschwerte Menschsein war vorbei, für immer. – Je klarer mir diese Vorstellung wurde, desto bedrückender wurde sie. Das konnte es nicht sein. Da stimmte was nicht.

Auf dem nächsten Bauernrat schilderte ich meine Gefühle. Niemandem waren sie unbekannt. Aber es hatte auch noch niemand darüber nachgedacht. Alle waren bedrückt. Niemand wußte Rat. So gingen wir auseinander. – In den nächsten Tagen wurde viel darüber geredet. Meist hieß es: „Ja, das ist schon wahr, aber was hilft es? Mühe ist besser als Angst, und Leben besser als Sterben!“

Mehr und mehr formierte sich in allen Familien ein Gedanke, der nach drei Tagen auf einer Sondersitzung diskutiert wurde. Als Ergebnis hielten wir fest: Unsere Bedrückung war ein Zeichen unseres Verhaftetseins an das naive, vorgalaktische Bewußtsein, das mit dem Aufbau des interplanetaren Immunsystems zum Schutz der Gemeinschaft aller intelligenten Lebensformen überwunden werden würde. Mit vorgalaktischem Denken vorzugreifen auf die Glücksmöglichkeiten des zukünftigen Menschseins könne nur zu Irrtum führen. Die Menschheit sei im Begriff ihr Bewußtsein zu erweitern zu ganz neuen Arten von Fühlen, Denken und Sinnerleben, die mit naivem, vorgalaktischem Bewußtsein nicht ermessen werden könnten. Auch Zweifel an der Botschaft der Strahlung müßten als Eingebungen des vorgalaktischen Denkens gewertet werden, das sich gegen das Abstreifen der gewohnten Weltsicht und die Auferlegung einer galaktischen Verbindlichkeit wehre.

Wir waren erleichtert. Dieser Gedanke gab uns Perspektive und Hoffnung: Wir würden eine neue Stufe des Menschseins erreichen, in dem vieles, was für uns jetzt noch eine Rolle zu spielen schien, keine mehr spielte. Und nichts an dieser neuen Stufe war jetzt schon vorstellbar, erfühlbar, ermeßbar! Unsere Bedrückung war nichts als eine Irritation, die wir nicht zu beachten brauchten. „Einfach weitermachen“ war unsere Losung. So gingen wir wieder an die Arbeit, und versuchten jeden Handgriff in dem Bewußtsein zu tätigen, mit der Intelligenz der Galaxis verbunden zu sein.

Ich stellte mein Gefühl der Entindividualisierung immer wieder in Frage, doch meine Irritation wurde immer heftiger: Einmal entstand nach einem Gewitter ein selten schönes und stimmungsvolles Abendrot mit faszinierenden Wolkenformationen – das schien jetzt nichts mehr wert! Gegen das, worauf es jetzt ankam, war jedes Abendrot nichtssagend, irrelevant, genauso wie Musik, Kinderlachen und selbst der freudige Schock über eine ungewöhnlich schöne Frau.

„Daß dich das stört, liegt bloß am vorgalaktischen Bewußtsein, das du überwinden mußt!“, sagte ich mir. Aber etwas in mir wehrte sich dagegen, all das Stimmungsvolle, Anmutige und Begeisternde aufzugeben, die Faszination, das Staunen, die Freude, das Lachen, die Unbeschwertheit. Ein so entleertes Leben fühlte sich nicht mehr lebenswert an, ja, vergeudet, ja, wie eine Sünde gegen das Leben selbst! – Doch ich sagte mir: „Deine Zweifel sind bloß Eingebungen deines altes Ichs, das Angst hat, sich zu verlieren! Willst du deine eigene Vollendung verpassen? Das wäre doch die Vergeudung deines Lebens, nicht der Verzicht auf sentimentale Stimmungen!“

Vielen ging es ähnlich wie mir. Wir redeten offen darüber in den Ratssitzungen. Das Phänomen bekam den Namen: „Flaschenhals“. Durch den mußte man durch zum Neuen Bewußtsein, und er war für manche länger, für manche enger, und für manche länger und enger. – Es kam alles darauf an, an das Neue Bewußtsein glauben zu können. – Warum konnte ich das so schlecht?

Mehrmals hatte ich den starken Wunsch, mit Außenstehenden über alles zu reden, und war schon nahe daran, einen Kollegen aufzusuchen. Doch jedesmal verwarf ich den Gedanken wieder: Das war doch klar, daß der mich bloß für verrückt halten konnte! Es war völlig erwartbar, was wir von Außenstehenden zu hören bekommen würden! Sie hatten doch nicht den Schimmer einer Ahnung und mußten unüberwindbare Widerstände haben gegen den Verlust ihrer Illusionen, Gewohnheiten, Liebhabereien und Sentimentalitäten.

Außerdem gab es ja an der Sache gar keine Zweifel! Wir hatten mit dem Mikroskop des Hausarztes den nicht-menschlichen Bauplan des Knollengewebes aus menschlichen Elementen erkennen und betrachten können. Und der Ingenieur hatte mit Hilfe von Instrumenten die Strahlung und ihre informationellen Muster sichtbar gemacht. Wir konnten zwar die Information nicht aus den Mustern auslesen, aber ihre Komplexität und Differenziertheit machte vorstellbar, daß es sich dabei um einen „Text“ handeln mußte. Und außerdem pflegten wir ja täglich das Ergebnis und sahen es wachsen und gedeihen. Da war gar kein Zweifel: Es war außerirdisch und informativ!

Dennoch zweifelte ich immer wieder unwillkürlich: Welche Gewähr hatten wir dafür, daß unsere Vorstellung, es handle sich um ein interplanetares Immunsystem, ebenfalls Information war und keine Einbildung? Oder, falls es Information war, daß die Außerirdischen uns nicht reinlegten? – Ein blasphemischer, erschreckender Gedanke schoß mir durch den Kopf: „Vielleicht sind die Immunzellen die Infektion!“ Es wäre zwar keine Infektion, vor der man Angst haben mußte, denn sobald wir aufhörten, sie zu pflegen, würde sie eingehen. – Doch wenn das kein Immunsystem war – dann hatten wir keines! Dann wären wir hilflos den Ungeheuern der unendlichen Nacht ausgeliefert, deren Dunkelheit jeden Abend über uns hereinbrach! – Ich erwiderte mir: „Sich irgendwelche Theorien auszudenken, ist keine Kunst! Willst du die Entwicklung eines galaktischen Bewußtseins wirklich wegen Spekuliererei verpassen?“ Mit diesem Gedanken, erteilte ich mir die Erlaubnis, Zweifel zu ignorieren. Wenn soviele tüchtige und intelligente Menschen das taten, dann durfte ich das auch.

Doch was wäre, wenn meine Zweifel doch einmal dazu führen würden, daß ich den Glauben verlöre? Dann würde ich eine Gefahr für die Gelbauer! Würden sie das hinnehmen? Oder mich umbringen? – Meine Seelenruhe war vollends dahin: Ich fühlte mich unter Druck, so denken zu müssen wie die Gelbauer, ich fühlte mich nicht mehr frei im Denken. – Ich bekam Flucht-impulse. – Doch ich sagte mir: „Du hast die Chance, daran mitzuwirken, daß die Vernichtung der Menschheit abgewendet und die intergalaktische Infektionsgefahr verringert wird! Das willst du aus kleinlichem Mißtrauen aufgeben? Die Gelbauer, diese netten und duldsamen Menschen die bringen doch keinen um! Was unterstellst du da! Du erlebst doch täglich, wie verständnisvoll und tolerant sie mit den Zweifeln am galaktischen Bewußtsein umgehen!“ – Doch in mir bohrte der Zweifel weiter, in mir rebellierte etwas gegen den untergründigen Verlust meiner Seelen-ruhe, und ließ sich nicht damit beruhigen, daß das jetzt nur die Phase im Flaschenhals sei.

Wieder und wieder schritt ich diese Grübelkreise ab, ich weiß nicht wie oft! – Mehr und mehr reifte die Überzeugung, daß ein derart zermürbendes Grübeln unzumutbar sei, und ein eindeutiger Indikator, mit Außenstehenden reden zu sollen. Doch was war mit dem Einwand, daß niemand verstehen könne, was bei uns vorging, daß alle bloß versuchen würden, mir das galaktische Bewußtsein auszureden? – Jetzt wurde mir klar: Auch darüber muß man sich mit Außenstehenden auseinandersetzen, daß man glaubt, sich mit ihnen eigentlich gar nicht auseinandersetzen zu können.

Da ich die Reaktion der Gelbauer nicht einschätzen konnte, verabschiedete ich mich nicht, son-dern flüchtete – zu Fuß, denn die „Ente“ war längst verschrottet und ihre Teile in den Industrie-anlagen verbaut. – In einer Sommernacht ging ich los, ohne Gepäck, alles andere wäre im Falle einer Begegnung auffällig gewesen. – Mehrmals schlug ein Hund an, doch niemand sah mich.

Nach drei Stunden hatte ich Gelbau hinter mir gelassen. Aber auch jetzt noch war ich auf der Hut und bevorzugte kaum befahrbare Waldwege. Ich traute mich nicht, zu betteln, denn in den Nachbarkreisen würde man den Gelbauern Auskunft geben, wenn sie nach mir fragen würden. So schleppte ich mich von Hunger geplagt drei Tage dahin, bis ich es riskierte, zu trampen. Ein Lastwagenfahrer nahm mich mit bis Stuttgart. Hier lebte ich zwei Tage wie ein Obdachloser, bevor ich alles geregelt hatte für eine Fahrkarte zu meinem früheren Lehrmeister Prof. Grullgruber.

Jeden Nachmittag, wenn Grullgruber nach Hause kam, saßen wir auf seiner Terrasse mit Blick auf die Eifellandschaft. Er rauchte seine Pfeife, und vor mir dampfte eine Tasse vorzüglichen Kaffees. – Natürlich glaubte er mir erstmal nicht – wie auch! Ich nahm ihm das nicht übel. – Würden Sie jemandem glauben, der mit ein paar Fasern und ein bisschen Sand vor ihnen steht und sagt, das stamme von Außerirdischen? – Allerdings bestand ich darauf, daß der Professor sein definitives Urteil zurückhalte, bis die Untersuchungsergebnisse vorlägen. Das war für Grullgruber kein Problem, er war ein Pionier der sogenannten „wahnakzeptierenden“ Arbeit, die Patienten dabei unterstützt, mit dem, was sie für wirklich halten, klar zu kommen – statt sie nur chemisch stillzustellen.

„Wenn das Labor Ihre Behauptungen bestätigt“, sagte er, „dann sind das Wachstum der Zellen und die Pflegeanleitung, die Sie dazu per Bestrahlung bekommen, Tatsachen. – Bei allem anderen – das haben Sie ja selber bereits richtig erkannt – können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen: Was ist Information, was Einbildung, oder binden Ihnen die Aliens gar einen Bären auf! – Wenn ich Sie richtig verstehe, hat Ihre Angst damit zu tun, daß Sie glauben, der Kosmos sei hochinfektiös und es sei reines Glück, daß wir noch keiner kosmischen Infektion zum Opfer gefallen seien, richtig?“

„Richtig.“

„Sie können das aber nicht beweisen. Was spricht für Sie dennoch dafür?“

„Unser Gefühl.“

„Ein Gefühl ist kein Beweis.“

„Es kann gar nicht anders sein, als daß Sie zweifeln! Mit Ihrem naiven vorgalaktischen Vertrau-en muß Ihnen unser Problembewußtsein wie ein Wahn erscheinen. Sie wissen nicht, was ich weiß, und das, was ich weiß, geht über Ihre Vorstellungskraft hinaus. Wenn Sie so fühlen würden wie wir, würden Sie das Gefühl nicht so leichtfertig anzweifeln. Sie können einfach nicht mitreden!“

„Und dennoch sind Sie zu mir gekommen!“

„Ja, weil ich selber noch Zweifel habe. Was ist, wenn wir uns da in was verstiegen haben? – Aber vielleicht sind meine Zweifel ja auch bloß Zeichen meines Heimwehs nach der früheren Unwissenheit und Naivität!“

„Der Zweifel an Ihren Zweifeln ist interessant! Offenbar gibt es einen Kernbereich Ihres Glau-bens, der sich nicht durch Zweifel zerstreuen lassen will und zurück zweifelt. Möglicherweise sind mit diesem Kern existentielle Ängste und Wünsche verbunden. – Vielleicht hat Ihr Glaube aber auch nicht Unrecht, das können wir jetzt noch nicht wissen. – Versuchen Sie doch bitte, mir etwas von Ihrem galaktischen Bewußtsein vorstellbar zu machen!“

„Wir fühlen, was es heißt, eingebunden zu sein in die interplanetare Gemeinschaft intelligenter Lebensformen, die sich kollektiv gegen die Gefahr wehrt, die von den Viren ausgeht, den unkomplexesten Formen reproduktiver Molekülketten, die nicht mal den Status von lebenden Organismen beanspruchen können aber möglicherweise überall im Weltall verteilt sind und mit jedem Gesteinsbrocken runterkommen können! Die höchsten Formen von Leben müssen sich schützen gegen die primitivsten, und jeder Planet muß mitmachen, denn jeder infizierte erhöht das Risiko für alle anderen! – Was nützt es, einen tollen Job zu machen, wenn die Menschheit, ja die gesamte Intelligenz der Galaxis ausstirbt? Ich habe kein gutes Gefühl dabei, mich vor dem Aufbau unseres Schutzes zu drücken, bloß um irgendwelche Erfolgs-, Liebes- und Urlaubs-erlebnisse zu haben! Zumal mein Beruf sowieso unnötig wird: Seit wir den intergalaktischen Sinn erleben, gibt es bei uns keine Depression mehr, keine Angst, keinen Alkoholismus! Nicht mal mehr die Schizophrenie ist bei uns ein Problem! Der neue Sinn motiviert so stark, daß die Erkrankten sich an Wahn und Halluzinationen so wenig stören wie an einem Hintergrund-rauschen!“

„Mhm, ich vermute, daß die Strahlung, falls es sie wirklich geben sollte, die neuronalen Aktivie-rungsmuster, die für psychotische Symptome verantwortlich sind, dämpft“, brummte Grullhuber.

„Wie dem auch sei, Sie sehen ja: das galaktische Bewußtsein macht Psychiater überflüssig!“

„Ich erahne die existentielle Dimension Ihres Problems. Sie haben nicht nur das Gefühl, sich aus der wichtigsten Pflicht der Menschheit herauszustehlen, sondern auch, das Wichtigste zu verpassen, offenbar so etwas wie intergalaktisches Gemeinschaftsgefühl. – Es wird mir jetzt vorstellbarer, warum Sie sich so schwer damit tun, das galaktische Bewußtsein in Zweifel zu ziehen. Sich davon zu verabschieden muß sich anfühlen, als ob die Seele abstürbe.“

„Ja, so könnte ich es beschreiben: Ich hätte das Gefühl, mein Gewissen erwürgt zu haben – wie jemand, der sein Leben vergeudet mit Unterhaltung, Feiern und Alkohol.“

„Doch wenn Sie sich vorstellen, Ihrem Glauben zu folgen, haben Sie das gleiche Gefühl: mögli-cherweise mit einer falschen Entscheidung Ihr Leben zu vertun. – Sie sind in der Situation eines Zeitbombenentschärfers in einem Flugzeug, der nicht weiß, ob er den roten oder den grünen Draht durchtrennen muß. – Ich denke, in so einer Situation darf man sich zugestehen, die falsche Entscheidung zu treffen. An so einem Scheideweg wäre der Anspruch, keinen Fehler zu machen, unrealistisch. Das sollten wir schon mal festhalten. – Jetzt sollten wir uns anschauen, wie wir die Sachen auch noch anders sehen können: Wenn die Strahlung Sie tatsächlich informiert, dann hat sich etwas in Ihrem Gehirn durch Außeneinwirkung verändert. Soetwas macht Angst. Sie werden also schon während des Informiertwerdens eine Angst verspürt haben, ohne sich diese Angst erklären zu können, denn Sie wußten ja nicht, was vor sich ging. Sie haben sich dann im Kollektiv diese Angst mit der Gefahr aus dem Weltraum erklärt. Diese Erklärung liegt nahe bei Leuten, die glauben, in einem Krater zu leben. – Dieser Zusammenhang erklärt, wieso Sie geneigt sind, die Fakten so zu deuten, wie Sie es tun, und legt nahe, daß Ihre Vorstellung, es handele sich um ein Immunsystem, nicht zu der Information gehört, die die Strahlung Ihnen vermittelt.“

„Das ist alles bloß Spekulation! Sie können das nicht beweisen!“

„Sie können es aber auch nicht widerlegen. Und Sie könnten auch nicht widerlegen, wenn je-mand behaupten würde, das, was Sie da ausbrüten, wolle uns in Wirklichkeit einmal fressen!“

„Das ist richtig, widerlegen könnte ich das nicht. Und das verunsichert mich ja auch. Aber für meine Behauptung spricht mein deutliches Gefühl!“

„Und wenn jetzt jemand für die andere Behauptung ein ebenso deutliches Gefühl hätte, und behaupten würde, wenn Sie wüßten, was er wüßte, hätten Sie sein Gefühl und nicht Ihres? – Der Sinn meiner Spekulation liegt darin: Es wird vorstellbar, daß es sich ganz anders verhalten könnte, als Ihr Gefühl Ihnen glauben machen will. – Sie sind in der Situation eines Menschen, der die Orientierung verloren hat und seinem Orientierungsgefühl nicht trauen kann. Es ist dann nicht sinnvoll, in die „gefühlt“ richtige Richtung zu laufen, es ist besser für alle Richtungen offen zu sein und objektivere Anhaltspunkte zur Orientierung zu gewinnen.“

„Und welche sind das?“

„Nun, wenn Ihre Deutung der Tatsachen beanspruchen kann, wahr sein zu können, welche anderen märchenhaften Gefahren könnten dann den gleichen Anspruch erheben und genauso in plausible Theorien eingesponnen werden, die mit umso stärkeren Gewißheitserlebnissen verbunden sind, je konkreter man sie ausarbeitet! – Wir können nicht jeder Angst folgen, deren Gründe zwar überzeugend vorstellbar, aber weder beweisbar noch widerlegbar sind! Sonst würde die Menschheit in Angstsekten zerfallen, die sich gegenseitig bekriegen, weil jede glaubt, nur ihre Angst sei die richtige! – Freilich ist es nicht ausgeschlossen, daß wir irgendwann zugrunde gehen, weil unter den beängstigenden Vermutungen, die wir wegen mangelnder Beweise ignorieren müssen, eine ist, die berechtigt war. Das wäre dann genauso unser Schicksal, wie der Einschlag eines riesigen Asteroiden. – Ich will damit sagen: Angenommen, Ihre Angst vor einer kosmischen Infektion wäre tatsächlich berechtigt – wie könnten wir das zum jetzigen Zeitpunkt erkennen? Wir könnten es nicht erkennen! – Und angenommen, Ihre begründeten Zweifel an dieser Gefahr würden Sie zu der Entscheidung führen, sie wie alle anderen denk- aber nicht belegbaren Gefahren zu behandeln und für ein Märchen zu halten – und dann käme tatsächlich eine kosmische Infektion! – Wer könnte Ihnen dann einen Vorwurf machen? – Genau genommen nicht einmal Sie selber. Denn Sie hätten sich richtigerweise gesagt: „Wenn ich aufgrund einer so mageren Beweislage an diese Angst glaube, an wieviele andere, für die es genauso wenig Beweise gibt, müßte ich dann auch noch glauben? Und was bliebe von meinem Leben übrig, wenn ich mich gegen alle denkbaren Gefahren wappnen würde? Das wäre weit unverantwortlicher, als das Risiko, das mit der Entscheidung verbunden ist, eine derart magere Beweislage nicht als Handlungsgrund anzuerkennen!“ – Wenn Sie möchten, können wir jetzt zusammen noch ein oder zwei weitere Angstmärchen erfinden, um erlebbar zu machen, daß andere Ängste nicht weniger beunruhigend und überzeugend gemacht werden können durch Denkmöglichkeiten, die Fakten und Vermutungen zu Theorien verknüpfen. – Doch lassen Sie mich zunächst zusammenfassen: Ihre Entscheidung wird davon abhängen, ob Sie sich vorstellen können, daß sich alternative Angstvorstellungen ebenso wahr anfühlen können – und ob Sie erkennen, daß es Ihnen primär gar nicht um die Angst vor der Vernichtung der Welt und der Vergeudung Ihres Lebens geht sondern um die Angst, Ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden, der Angst vor der Schuld an Vernichtung und Vergeudung.“

Dieses Gespräch brachte den Durchbruch. Zwar konnte ich zunächst nichts entscheiden. Ich unternahm ausgedehnte Wanderungen durch die sommerliche, reich mit reifen Ähren gesegnete Hügellandschaft. Ich fühlte, wie schade es wäre, wenn eine Infektion aus dem Kosmos diesen Reichtum an Leben vernichten würde! Doch etwas in mir genoß die warme Weite und war nicht mehr bereit, sich die Lebenslust nehmen zu lassen. Die Angst vor der kosmischen Infektion verflüchtigte sich wie Morgennebel.

Alles, was der Arzt und der Ingenieur in Gelbau gezeigt hatten, wurde von der Untersuchung bestätigt! Daß es sich hier um etwas handelte, was offensichtlich von einer außerirdischen Intelligenz stammte, wurde natürlich verheimlicht. – Aber man tat alles, damit die Gelbauer ihr Gesicht wahren konnten: Es hieß, der gelbauer Sand selbst sei nur schwach radioaktiv, könne aber langfristig zu geistiger Verwirrung führen. Das aus dem Sand herausraffinierte Mineral dagegen sei hoch radioaktiv und habe bei den Gelbauern zu Krebs geführt.

Ganz Gelbau wurde von der Bundeswehr abgeriegelt und die Gelbauer evakuiert.

Es macht mir heute noch Beklemmungen, wenn ich daran denke, wie verzweifelt die Bauern gewesen sein mußten, vor allem die, die mit ihrem Fleisch und Blut das Außerirdische verkör-perten! Der naive, unreife vorgalaktische Unverstand riß sie gewaltsam aus dem Kampf für das Überleben der Menschheit! Sie mußten tatenlos zusehen, wie die Rettung des Planeten unter-bunden wurde! – Alle kamen für einige Monate in psychiatrische Kliniken. Aber Grullgruber persönlich leitete die Behandlung und übernahm mit seinem Team die Nachsorge. Ich selber wäre wegen meiner Mitbetroffenheit dafür nicht geeignet gewesen.

Der Kreis Gelbau wurde eingeebnet, zubetoniert und ein kleines Flüßchen umgeleitet, das die Senke flutete. Gelbau versank. An seiner Stelle gibt es nun einen See. Am Rande des Sees betreiben die Gelbauer jetzt Hotels und Freizeiteinrichtungen, die ihnen mit Hilfe von Förde-rmitteln ermöglicht wurden. Wirtschaftlich geht es ihnen besser denn je.

Die Gelbauer konnten belegen, daß das strahlende Mineral nur in den Bau von Brücken und Bunker gegangen war – ich weiß es zwar besser, aber wer weiß: Vielleicht ist die Infektion ja tatsächlich ein Immunsystem…“

„Na sehen Sie“, brummte der Professor, nachdem der Psychiater geendigt hatte, „Sie geben selber zu, daß die Rechten alle verstrahlt sind!“

„Aber Herr Professor“, entgegnete der Psychiater, „die Gelbauer stehen nicht für die Rechten! Was die Rechten treibt, ist nicht Angst, sondern Stolz: Sie fürchten, daß ihnen zuviele Früchte ihrer Arbeit weggenommen werden für Beiträge zur Solidarität, und sie ihre Leistungsfähigkeit nicht so zur Geltung bringen können, wie ihr Wunsch nach Anerkennung ihres Ranges es gerne hätte. Psychiatrisch gesehen steckt dahinter eine gewisse Unreife: den Selbstwert aus der Stiftung von Unterschieden zwischen den Menschen beziehen zu wollen, statt aus der Stiftung von Gemeinsamkeit. – Freilich, ob Angst oder Stolz: mächtige Gefühle können zu ähnlichen Formen führen, sich vor Desillusionierung zu schützen.“

„Aber damit geben Sie wenigstens zu, daß die Rechten alle ein Fall für den Psychiater sind!“, lachte die Unternehmerin.

„Den provokanten Gehalt Ihrer Aussage gestrichen, käme das meiner Auffassung nahe“, erwi-derte der Psychiater in unfreiwillig komisch wirkendem Ernst.

„Naja“, ließ sich die greisenhafte Stimme des alten Anwalts vernehmen, „Ihre Gelbauer fanden es aber auch nicht ganz verkehrt, auserwählt zu sein für den Aufbau eines interplanetaren Immunsystems! Wer weiß, vielleicht kam die Angst ihrem unbefriedigten Stolz ja ganz gelegen!“

„Und hat man eigentlich mittlerweile feststellen können“, fragte die Frau des Anwalts, „um was genau es sich da handelt, bei diesen Immunknollen?“.

„Das entzieht sich meiner Kenntnis,“ antwortete der Psychiater, „die Sache wurde nicht nur der Öffentlichkeit sondern auch meinen Nachforschungen entzogen. Ich vermute, es wird in irgend- welchen Geheimlaboren immer noch daran geforscht. – Und die Strahlung in den Wohn-häusern, in denen der Gelbauer Sand verbaut wurde, wird zwar noch wirken, aber in so geringer Dosis, daß bisher wohl noch nicht wieder was gewachsen ist.“

„Daß Sie den Behörden nichts verraten haben über den Verbau des gelbauer Sandes in Wohn-häusern, ist wohl ein Zugeständnis an die Residuen Ihrer Angst vor kosmischer Infektion“, grinste meine Frau.

„Ich bewundere Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Scharfsinn“ schmunzelte der Psychiater zurück.

„Aber das ist doch beängstigend!“ meinte die dicke Dame. „Wer weiß, was da irgendwann mal wächst und wächst! Und vielleicht ist es böse, sehr böse, vielleicht kommt es doch irgendwann mal zu der Versklavung der Menschheit, vor der Ihnen so grauste!“

„Oder zu kosmischem Bewußtsein!“, gluckste der Professor vor Lachen.

Ohne auf den Professor geachtet zu haben meinte der Anwalt zu seiner Frau: „Egal wie böse das ist, was es bewirkt, Hilde, es selber kann völlig unschuldig sein. Wie soll es denn wissen, daß wir intelligent genug sind, um Versklavung erleben können?“

„Nein, es ist ausgeschlossen, daß es das nicht weiß!“, mischte sich ein junger Lehrer ein, der sich während der Erzählung an unseren Tisch gesetzt hatte. „Wie soll das denn gehen, daß eine Lebensform, die selbst intelligent ist, durch ungeplante evolutionäre Prozesse von Versuch und Irrtum sich Gene und Intelligenz einer anderen Lebensform zur Reproduktion zu nutze macht, und dabei nicht merkt, daß die ebenfalls intelligent ist? – Nein, hinter der Strahlung muß Absicht und Planung stehen! Ihre Frau hat recht, es ist böse! Irgendeine intelligente Lebensform infiziert Planeten, um sich durch Versklavung der dort einheimischen Intelligenz zu verkörpern!“

„Aber junger Mann“, meinte der Psychiater, „Sie können nicht wissen, was für Kommunikation möglich wird, wenn die Lebensform weit genug gewachsen ist! Und wer weiß, was uns diese Le-bensform dann mitteilen könnte! Vermutlich ist sie sehr alt und sehr klug!“

„Alter schützt vor Torheit nicht“, kicherte die Unternehmerin.

„Wohl wahr!“, kicherte der alte Anwalt mit, „ich bin der Älteste hier am Tisch, ich muß das wissen – und meine Frau natürlich erst recht!“

Er sah seine Frau an, und die hielt sich vor Lachen die Hand vor den Mund.