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Meine eigenes Faust-Projekt: Information, Termine, Materialien (1) Information Ich erlebte einmal einen katalanischen Geschichtenerzähler, der uns in gebrochenem Englisch griechische Göttermythen erzählte und dabei das traditionell-volkstümliche Erzählen, das in seiner Kindheit in seiner Heimat noch gepflegt wurde, zur Perfektion gebracht hatte: Er spielte mehr als daß er erzählte, er spielte alle in der Erzählung vorkommenden Personen. Das inspirierte mich maßgeblich zu meinem Faust-Projekt: Ich habe Schlüsselszenen aus Faust 1 und 2 ausgewählt und dramaturgisch miteinander verbunden und spiele dabei alle Rollen. Diese „Verarmung“ hat Vorteile: sie läßt manches zum Vorschein kommen. Es ist wie: ein Gemälde abzuzeichnen. (2) Charakteristika meines Faustprojekts Ich beschäftige mich seit 14 Jahren mit diesem Werk und ich glaube, mir ist eine werktreue dramaturgische Umsetzung gelungen, die zwei Stärken bietet: - sie lässt die unübersichtlichen Zusammenhänge beider Teile zum Vorschein kommen und vermittelt Interpretationshinweise, die sowohl das Verständnis der Grundaussage des Werkes als auch seiner zentralen „poetischen Formeln“ erleichtern; - sie ermöglicht einen „modernen“ Blick auf das Stück, der erahnen lässt, was es sein könnte, wenn man mal nicht dran denkt, dass es der „Faust“ ist…
Inszenierung und Dramaturgie stehen bei mir ganz im Dienste von Verständlichkeit und Fasslichkeit, weil ich denke, daß sowohl die intellektuelle Herausforderung durch den Inhalt des Dramas als auch die poetische Eindrücklichkeit in dem Maße beeinträchtigt werden, wie eine Inszenierung auf Dechiffrierung angewiesen ist... (3) Logistik Sie läßt sich in jedem größeren Wohnzimmer realisieren. Ohne Klavier geht es zur Not auch, wär aber schade. (4) Inhaltliche Möglichkeiten Meine „Streichfassung“ ist nicht festgelegt. Es gibt eine etwa 100 minütige Minimalfassung, die den Zusammenhang der Teile vermittelt. Darüber hinaus verfüge ich über einen „Schatz“ von weiteren Szenen im Umfang von mehr als 4 Stunden. Daraus kann ich je nach Anlaß und Wunsch – freilich im Rahmen des inhaltlich und dramaturgisch Sinnvollen – Ausschnitte anbieten, bspw. 60 Minuten klassische Walpurgisnacht oder 60 Minuten klassisch-romantische Phantasmagorie. (5) Termine Die letze Aufführung war gerade. Weitere sind angedacht. Ich halte Sie auf dem Laufenden... (6) Selbstkritik meiner Aufführung vom 18.12.2010 Bühnenpräsenz heißt: die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums erregen statt eines gleichgültigen: „Was macht der denn eigentlich da?“
Es gelang mir gerade am Anfang nicht, die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln. – Ich weiß nun, warum der Eingangsmonolog in so vielen Aufführungen entweder überzeichnet wird, wie bei Stein und Dorn oder nur als Faustklischee dargeboten wird, flüchtig und stark zusammengestrichen, wie bei Gründgens:
Aufmerksamkeit erregt man leicht entweder durch Wiedererkennungseffekte oder durch Ungewöhnlichkeit, Lautheit, Exzentrik. Bei dem Text Goethes ist beides vorteilhaft: Worte wie: „ich seh in diesen reinen Zügen die wirkende Natur vor meiner Seele liegen“ oder: „ich, Ebenbild der Gottheit, das sich schon ganz nah gedünkt dem Spiegel ewiger Wahrheit, sein Selbst genoß in Himmelsglanz und Klarheit und abgestreift den Erdensohn, ich mehr als Cherub, dessen freie Kraft schon durch die Adern der Natur zu fließen und schaffend Götterleben zu genießen sich ahnungsvoll vermaß…“ – solche Worte sind heute bestenfalls befremdend, schlimmstenfalls unfreiwillig komisch. Ich wollte ursprünglich eine dramaturgisch integrierte Vorbereitung für solche Textstellen entwickeln, änderte dann aber das dramaturgische Konzept. Ich zählte auf die so entstandene größere Stringenz und Kürze. Doch die Rechnung ging nicht auf.
Bühnenpräsenz heißt: Es muß auf nonverbale Weise ein Signal an die Zuschauer ergehen, das ihrem Unbewussten signalisiert, daß das, was sie sehen, etwas sehr wichtiges und wertvolles ist, bei dem es sich lohnt, sich zu bemühen, ihm etwas abzugewinnen. – Unter einem solchen Vorzeichen kann auch der unvorbereitetste Zuschauer zu diesen Worten genügend assoziieren, um ihnen zumindest einen vagen Sinn zu verleihen. – Wohnzimmerbühnen und ein Konzept, das auf möglichst unprätentiöse Deklamation setzt, sind nicht dazu angetan, die Rezeptionsbereitschaft zu stimulieren. Das Wohnzimmer vermittelt Alltagsathmosphäre, eine Bühne dagegen hat Signalcharakter. Sicher wird auch - selbst bei den vorurteilsfreiesten Zuschauern – unbewusst der Gedanke mitspielen: „Was kann das schon Großes sein, wenn es im Wohnzimmer stattfinden muß weil sich offenbar keine Bühne seiner annimmt!“ – Die Alltäglichkeit der Wohnzimmerathmosphäre muß durch die Qualität der Darbietung neutralisiert werden: das Publikum muß vergessen, wo es sich befindet. Die Alltäglichkeitssignale wurden bei mir allerdings noch dadurch verstärkt, daß ich als Laienschauspieler gerade beim Eingangsmonolog des „Faust“ auf größte Bescheidenheit der Darstellung achten muß, weil: was anderes als etwas Unprätentiöses kriege ich mit meinen nicht-professionellen Mitteln ohne Lächerlichkeit gar nicht hin. Und schließlich kann ich auch nicht so gut wie ein professioneller Schauspieler oder geübter Redner mit subtilen körpersprachlichen Signalen die Aufmerksamkeit der Zuschauer stimulieren.
Durch das Defizit an Bühnenpräsenz fielen dann natürlich die unvermeidlichen Fehler mehr ins Gewicht (und vor allem die vermeidlichen: die „Flucharie“, eine der schwierigsten Textpassagen, misslang, weil ich bei den letzten Proben mit der erarbeiteten Lösung nicht zufrieden war und begann, mit neuen zu experimentieren. Auch das ist wohl einfach ein Zeichen von Unprofessionalität…)
Glücklicherweise gibt’s ja Mephisto, der punktet immer und hat wohl auch diesmal die Aufführung gerettet…
Natürlich frage ich mich jetzt, ob das überhaupt machbar ist: Diesen Text im Wohnzimmer als Laienschauspieler mit werktreuem Konzept darbieten ohne lächerlich oder langweilig zu sein. Ich spielte diesen Teil jetzt zum ersten Mal in einem Wohnzimmer. Die anderen Aufführungen dieses Teils waren „bühniger“. Ich werde nicht gleich aufgeben. Das Wohnzimmer ist eine Etüde, eine Herausforderung. Ich werde weiter versuchen, meine handwerklichen Defizite zu verringern bzw. durch dramaturgische Phantasie zu kompensieren…
Der 2. Akt des zweiten Teils übrigens, den ich letztes Jahr im gleichen Zimmer spielte, hatte von Anfang an die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer. Aber der ist ja einfach auch ein „Reißer“ – und da trotzdem kaum jemand ihn kennt, waren die Zuschauer um so erstaunter über das, was da entstand...
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